Erzähl dein Leben

Wie die persönliche Lebensgeschichte unsere Identität formt

Erinnern und erzählen gehen Hand in Hand. Nicht nur zu besonderen Anlässen, auch im Alltag erinnern sich Menschen an Vergangenes. Erzählende beschreiben oft, was sie gefühlt und gedacht haben und fügen den Ereignissen eine weitere Kategorie hinzu.

Eine ältere Frau schreibt Tagebuch und stellt fest, wie sich Erinnerungen verändern
In der Kindheit abgespeicherte Erinnerungen verblassen oft im Erwachsenenalter und bahnen sich im Alter wieder einen Zugang ins Bewusstsein

Meistens beginnt die Erinnerung irgendwann ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr. 2012 zeigte die Psychologin Patricia Bauer von der Emory University in Atlanta, dass „Kleinkinder Erlebtes schlecht abspeichern und auch leicht wieder vergessen. Diese frühkindliche Amnesie betrifft in der Regel die ersten drei bis vier Jahre“.[1] Die frühesten Schilderungen stammen meist aus Erzählungen anderer Familienmitglieder, die persönlich eingefärbt sein können und sich wie Legenden im Lauf der Zeit auch verändern können. Elizabeth Loftus von der University of California stellte fest, dass die frühe Rückschau von Menschen oft falsch ist. „… die Rückschau dient eben nicht nur dazu, Fakten wiederzugeben, sondern vor allem die eigene Identität darzustellen.“[2]

Unsere Erzählungen sind ein Spiegelbild unserer Identität

Wenn wir von früher erzählen, geben wir immer auch preis, wer wir sind. Ein und dieselbe Geschichte, in gewissem Zeitabstand erzählt, kann durch aktuelle Geschehnisse, Gefühle und Gedanken völlig unterschiedlich klingen. Diese Fähigkeit, eine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen, erlernen wir schon früh. Kleine Kinder bemerken, dass Eltern und Geschwister dieselbe Geschichte anders erzählen, dass zwar Ort und Zeit übereinstimmen, dass aber subjektive Gefühle und Bewertungen unterschiedlich sind.

Dabei erleben sie, dass vergangene Ereignisse wieder ganz lebendig werden können und dass diese im Rückblick neu bewertet und verstanden werden können. Mit der Zeit entstehen so „Rückblicke“ auf Lebensphasen.

Die „Mainlife“ Studie zeigt, wie sich Geschichten verändern

In der Langzeitstudie „Mainlife“ an der Goethe Universität in Frankfurt am Main untersuchen sie Psychologen Christin Köber und Tilmann Habermas seit 2003, wie solche Lebensgeschichten entstehen und wie sie sich mit der Zeit verändern.[3] Im Abstand von 4 Jahren erzählten 172 Studienteilnehmen zwischen 8 und 69 Jahren Erinnerungen aus ihrem Leben. Beobachtet wurde, ob die Probanden die Ereignisse im Lauf der Zeit chronologisch veränderten und ob sie beim Leben im Rückblick Vergangenes mit der Gegenwart verglichen.

Geachtet wurde außerdem auf die „kausalmotivationale Kohärenz[2]. Weil wir reflektieren, ob bestimmte Ereignisse unsere Persönlichkeit geformt haben, gelingt es, trotz ständiger Veränderungen eine stabile Identität herzustellen.

Mit 12 Jahren beginnen wir, das Leben zu betrachten

Zwölfjährigen gelingt es immer besser, chronologisch und nachvollziehbar über ihr Leben zu berichten, mit sechzehn gelingt es, autobiografische Zusammenhänge der eigenen Persönlichkeit mit äußeren Ereignissen in Zusammenhang zu bringen.

Je älter Probanden waren, desto weniger neigten sie dazu ihre Persönlichkeit infrage zu stellen sondern konzentrierten sich auf wesentliche Kerneigenschaften ihrer Persönlichkeit. Sie neigten dann eher dazu, nur bei Bedarf einzelne Charaktereigenschaften oder Wesenszüge zu verändern.

 

[1] Christin Köber und Tilmann Habermas in Gehirn und Geist; Nr. 1/2016, S. 28

[2] ebenda

[3] Christin Köber und Tilmann Habermas in Gehirn und Geist; Nr. 1/2016, S. 29

[4] Die Fähigkeit Punkte im Leben zu benennen, an denen entscheidende Veränderungen stattgefunden haben, diese mit der eigenen Person und anderen Ereignissen in Beziehung zu setzen.

 

 

Selbsthilfe für Herzkranke an der Technischen Universität München

Neue Psychokardiologische Selbsthilfegruppe gegründet

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Die Disziplin „Psychokardiologie“ ist jung und sucht sich noch seinen Platz in der Psychotherapie – aber schon wird in allen Treppenhäusern deutscher Kliniken darüber diskutiert, wie psychologische Unterstützung in der Prävention eingesetzt werden könnte. Im Klinikum rechts der Isar in München startet im Januar nun der Versuch, stressanfällige Herzpatienten in einer Selbsthilfegruppe emnotional zu unterstüzen.

Viele Herzpatienten leiden unter Ängsten

Der Bedarf ist groß, jeder dritte Herzpatient leidet unter Ängsten oder Depressionen, nach Operationen entstehen oftmals Traumatisierungen, die zu starken Belastungen führen können, die unbehandelt chronifizieren. Im Mai wurde die erste psychokardiologische Selbsthilfegruppe für Herzkranke im Selbsthilfezentrum München von mir gegründet, nun habe ich die Möglichkeit, im Klinikum rechts der Isar ein weiteres Selbsthilfe Projekt für stressanfällige Herzpatienten aufzubauen.

In Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Psychokardiologie an der Technischen Universität in München wird ab Februar 2016 unter der Leitung von Dr. Joram Ronel im Klinikum rechts der Isar ein Selbsthilfeprogramm für herzkranke Patienten, die unter seelischen Belastungen leiden, gestartet. Ziel ist niedrigschwellige Prävention in der Kardiologie, bevor medizinische oder psychotherapeutische Intervention nötig wird.

Ziel ist der gemeinsame Erfahrungsaustausch

Hintergrund des Projektes ist,  ein Forum des Austausches unter „Gleichgesinnten“ auch im klinischen Umfeld umzusetzen. „Ziele der Selbsthilfegruppe sind der gemeinsame Informations- und Erfahrungsaustausch, praktische Lebenshilfe und gegebenenfalls gemeinsame Unternehmungen“, sagt Dr. Joram Ronel, medizinischer Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Klinik rechts der Isar.

Die Gruppe trifft sich ab 3. Februar jeden 1. Donnerstag im Monat von 18.00 bis 20.00 Uhr. Anmeldungen und genauere Informationen erhalten sie auf meiner Homepage. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Neue Wege in der Trauerbegleitung

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Der Psychotherapeut Roland Kachler hat ein neues Konzept zur Trauerbegleitung entwickelt, das es dem Trauerbegleiter erlaubt, aktiv in den Bewältigungsprozess einzugreifen.

Comforting friend. Woman consoling her sad friend.Trauerbegleitung beschränkte sich lange Zeit auf die passive Begleitung, Zuhören, Verständnis, Empathie und Achtsamkeit waren die therapeutischen Hilfsmittel der ersten Wahl. Zwar unterstützt, aber weitgehend selbständig, sollten die Klienten die klassischen Stufen des Trauerprozesses nach Kübler-Ross und Bowlsby durchschreiten. Wie viele Kollegen fühlte auch ich mich unwohl, nicht aktiv eingreifen zu können, wenn es mir sinnvoll und nötig erschien.

Im Kreislauf der Problemtrance

Menschen, die zur Beratung kommen, befinden sich häufig in einer Problemtrance. Ihre Aufmerksamkeit ist ausnahmslos auf das Problem gerichtet, sie sind zunächst im Kreislauf der Trauer gefangen, fühlen sich vom Problem hypnotisiert und verhalten sich auch so. Dieser Vorgang wird vom Betroffenen als unwillkürlich, also kaum beeinflussbar erlebt, Veränderungen im Trauerprozess bleiben häufig unzugänglich.

Einsatz von Distanzierungstechniken

Kachler schlägt vor, durch Distanzierungstechniken die Problemtrance aufzuheben, um in eine Lösungstrance zu kommen. Distanzierungstechniken helfen, das Problem von außen zu betrachten, Klienten erfahren es als nicht mehr allein zu ihnen gehörig. Lösungsmöglichkeiten werden klarer und greifbarer.

Um die „Umfokussierung“ zu unterstützen, werden in der hypno-systemischen Arbeit alle Sinneskanäle aktiviert, viele Techniken stammen aus dem Werkzeugkoffer der integrativen Therapie. Es wird mit Veränderungen der Körperhaltung, mit Visualisierungen, mit inneren Bildern, inneren Teams, mit Metaphern und Symbolen, Aufstellung des Problems im Raum und mit Fokussierungsübungen gearbeitet.

Fazit: Selbstkontrolle durch Selbstmanagement

Durch die Erfahrung von konkreten Unterschieden zwischen Problem- und Lösungszuständen auf allen Sinnesebenen und durch das bewusste Gestalten dieser Zustände beginnt der Trauernde, aktives Selbstmanagement zu betreiben. Man nimmt sich wieder als handelndes Subjekt wahr und gewinnt wieder Kontrolle über sich selbst.

Kriegskinder

Wie gehen Angehörige mit den Qualen Trauma geschädigter Partner und Eltern um?

Jeder Krieg hinterlässt Kinder mit gefrorenen– eine Generation, die im Krieg geboren und aufgewachsen ist, oft nicht selbst beteiligt – aber dazu verurteilt war, alles sehen zu müssen und mitzuerleben.

Das betraf die Generation unserer Eltern und Großeltern genauso wie heute Emigranten aus dem Nahen Osten. Doch wer einen solchen Menschen zu seinem Partner macht, erkennt nicht sofort die traumatischen Belastungen, die eine Beziehung zum Scheitern verurteilen können. Und die Kinder? Haben sie eine Chance, den Re-Traumatisierungen des Vaters oder der Mutter zu entgehen? Sie sind die Benachteiligten. Als Angehörige werden sie oft übersehen und entwickeln dieselben Ängste wie ihre Partner oder Eltern.

Ein innerer Kriegalte Fotos betrachten

Das Kriegsende am 8. Mai vor 70 Jahren war der Tag einer neuen Freiheit, doch für die traumatisierten Kriegskinder, die Tod, Hunger und Entwurzelung gesehen haben, war es der Beginn eines inneren Krieges. Sie leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsreaktion, wie wir sie von aus Afghanistan zurückkehrenden Soldaten kennen. Grausame Erinnerungen drängen sich auf und kehren immer wieder zurück, doch die Kriegskinder sprechen nicht darüber. Partner und Kinder sind den oft gewalttätigen Gefühlsausbrüchen hilflos ausgeliefert.

Angst ist der Preis des Wohlstandes

Ich habe mich oft gefragt, warum die Ängste seiner Eltern, die den 2. Weltkrieg erlebten, wie ein Tuch des Schweigens über ihm lagen, sagt: „Wir tragen die Schäden unserer Vorfahren von Generation zu Generation weiter. Der Fleiß unserer Eltern hat uns Wohlstand gebracht, trotzdem sind wir mit unserem Leben unzufrieden. Anscheinend gibt es Werte, die uns nicht vermittelt wurden.“ Eines von vier Kriegskindern zeigt sich in seiner Lebensqualität eingeschränkt, sie leiden an Angstzuständen, Depressionen und psychosomatischen Beschwerden, Herzrasen oder chronischen Schmerzen, wie der Münchner Psychiater Michael Ermann in einer Studie herausfand.

Arteriogenese schützt vor Herzinfarkt

Bei verstopften Herzkranzgefäßen können sich Kollateralarterien zu natürlichen Bypässen entwickeln

Viele Herzpatienten stellen fest, dass nach einiger Zeit Stents wieder verschließen. Doch die Natur baut vor, denn kleinste Gefäße, die sogenannten Kollateralarterien, die das Herz umspannen, können zu großen Gefäßen heranwachsen und den Herzmuskel mit einem natürlichen Bypass versorgen.

Kleinste Herzkrankgefäße, sogenannte Kapillaren, können zu großen Versorgungsarterien heranwachsen
Kleinste Gefäße am Herzmuskel können bei Verschlusskrankheiten zu großen Versorgungsarterien heranwachsen

Wenn es in großen Gefäßen durch Kalkablagerungen zu Engpässen kommt und ein Herzinfarkt droht, staut sich das Blut vor diesen Ablagerungen. Es sucht sich neue Wege und der erhöhte Druck schiebt es in die kleinsten Gefäße. Das funktioniert wie bei Hochwasser, wenn Wasserkaskaden von den großen Flüssen oft kilometerweit in die kleinen Bäche hineindrängen und das Umland überschwemmen.

 

Arteriogenese bildet beim Fötus die Gefäße

Bei Gefäßen heißt dieses Prinzip Arteriogenese und bildet schon beim Fötus ein funktionierendes Gefäßsystem aus. Das fanden Matthias Heil und Wolfgang Schaper am Max Planck Institut im Kerckhoff Zentrum in Bad Nauheim heraus. Ausgelöst wird dieses erneute und ein Leben lang funktionierende Arterienwachstum von physikalischen Kräften wie der erhöhten Schubspannung des Blutflusses.

Rezeptoren an den Gefäßwänden der Kollateralarterien nehmen die erhöhte Schubspannung des Blutes wahr – in der Folge werden die Gefäße länger und dicker und bilden einen natürlichen Bypass zu den schlechter versorgen Gebieten der Herzkranzgefäße. Hoffnung für Patienten, die unter hohen Cholesterinwerten leiden.

Sport fördert das Wachstum von Gefäßen

Viel Bewegung und Sport erhöht das Wachstum kollateraler Arterien. Offenbar hilft leicht erhöhter Puls die kleinen Gefäße zu durchbluten. Vielleicht wird aus diesem Grund bei älteren Personen häufig beobachtet, dass trotz verengter Gefäße keine Herzbeschwerden auftreten. Und noch eine Beobachtung könnte erklärt werden: Einige Herzkranke stecken eine Attacke besser weg als andere. Offenbar schützt sie ihr Arteriengeflecht vor schlimmen Folgen.

Psychologische Beratungsstelle Lotse

Erfolgreicher Start der Beratungsstelle Lotse beim Nachbarschaftstreff Heinrich Böll Straße in München

Erfolgreicher Start für die Psychologische Beratungsstelle Lotse in München am 23.6.2015 in der Nachbarschaftshilfe Messestadt-Riem in München.

Hallo MünchenDer Bedarf an psychologischer Beratung in München ist groß. Ein kleiner Aufruf in einem Wochenblatt reichte und schon am ersten Tag kamen Bürger aus den umliegenden Stadtvierteln, um sich beraten zu lassen. Die Beratungen finden einmal monatlich in den Räumen der Nachbarschaftshilfe Heinrich-Böll Straße 69 in der Messestadt-Riem statt.  Der nächste Termin ist für den 21.7.2015 vorgesehen.

„Das unbürokratische Umfeld und unser vertrauliches Auftreten nimmt den Bürgern die Scheu vor dem ersten Kontakt. Viele wissen zwar, dass sie Hilfe brauchen, wollen aber nicht gleich als psychisch krank abgestempelt werden“, sagt der Heilpraktiker auf dem Fachgebiet der Psychotherapie Helmut Bundschuh.

Zusammen mit seinem Kollegen Brahim Haydn hat er das Projekt Psychologische Beratungsstelle Lotse aus der Taufe gehoben.

Bürger mit Migrationshintergrund

Dabei arbeitet die Beratungsstelle eng mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern zusammen, um Kontakt zu Psychotherapeuten aufzunehmen und Therapieplätze zu vermitteln. Bei Bürgern mit Migrationshintergrund versucht die Beratungsstelle Ärzte oder Psychotherapeuten mit ähnlichem Hintergrund zu finden. „Einer Muslima fällt es leichter, sich einem Therapeuten gleicher Sprache und Kultur anzuvertrauen. Wir haben da ein belastbares Netzwerk aufgebaut“, sagt Helmut Bundschuh.

 

 

 

Persönlichkeitsspiegel Facebook

Was verrät Facebook über unsere Persönlichkeit

von Helmut Bundschuh

Spuren, die wir in sozialen Netzwerken hinterlassen, sind wie unsere Fingerabdrücke. Aber was kann Facebook über unsere Persönlichkeit verraten? Für Unternehmen lohnt es sich nicht mehr, Anzeigen zu schalten, um Kunden zu finden. Daten, die sie über uns brauchen, stehen schon im Netz – wir haben sie selbst hinterlassen, wie einen Persönlichkeitsspiegel.
Auch Psychologen interessieren sich dafür, denn bei Facebook, Twitter und Co. finden sie Selbstbeschreibungen unserer Persönlichkeit, die besser sind als jeder Fragebogen: direkt, emotional und ungeschönt. Sie verraten, ob Menschen in schwierigen Lebensveränderungen sind. So interessiert sich Helmut Bundschuh in der Praxis für Psychotherapie in Bogenhausen durchaus für das Verhalten seiner Klienten in den sozialen Medien. Sie ergeben ein Persönlichkeitsprofil über die bekannten Persönlichkeitsdimensionen, die Big Five. Das sind Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit.

Persönlichkeitsprofile bei Facebook

Die Kommunikationswissenschaftlerin Pavica Sheldon untersuchte, wie sich die Persönlichkeitsprofile bei Facebook präsentieren und stellte fest, dass introvertierten Nutzer durch das Netz surfen und emotionale Wortwolken hinterlassen. Währenddessen verweilen Extravertierte zwar nur kurz im Internet, nutzen allerdings die Verweilzeit optimal zur Selbstdarstellung. Facebook speichert ihre Persönlichkeit.

Persönlichkeitsspiegel Facebook
Die Wortwolke beschreibt das Internetverhalten von 18 bis 21 Jährigen

In der bisher größten Studie (Personality, Gender, and Age in the Language of Social Media) dieser Art wertete Prof. Andrew Schwartz von der University of Pensylvania in Pittsburgh 75 000 Freiwillige aus, die online einen Persönlichkeitstest absolvierten. 700 Millionen Phrasen und Wörter sortierte sein Team nach ihrer Häufigkeit und ordnete sie einem bestimmten Persönlichkeitstyp zu.
Extravertierte konzentrieren sich demnach auf die Außenwelt und sind erlebnishungrig. Die am häufigsten verwendeten Wörter sind Party, Mädchen (Jungs), schnell-schnell, ich liebe dich… . Introvertierte sind hingegen fantasievoll, assoziativ und kreativ, sie verraten sich durch ihren emotionalen Stil.

Neurotiker hinterlassen Spuren

Neurotiker, also wenig belastbare Personen, bringen ihre Anspannung zum Ausdruck und hinterlassen Spuren ihrer Persönlichkeit bei Facebook. Oft finden sich Wörter wie Depression, Einsamkeit oder Verweigerung. Stabile Menschen schreiben von Dankbarkeit, Familie, Team und Erfolg. Wenig verträgliche Personen reagieren sich in einem wahren Shitstorm mit Kraftausdrücken ab: Shit, Nutte, fuck sind die meist benutzen Worte. Im Gegensatz dazu die Friedfertigen, sie schreiben von wundervoll, Begeisterung und Dankbarkeit.
Selbstdisziplinierte und gewissenhafte Menschen schreiben oft von der Arbeit, sie sind bereit, begeistert, beschäftigt und erleben jeden Tag als „großen Tag“. Der Leichtfuß und Undisziplinierte schaut You Tube, Softopera, liest Comics und alles, was wenig soziales Engagement abverlangt. Offene Menschen schreiben von Literatur, Kunst, Psychologie, vom Schreiben, vom Universum, der Seele und vom Träumen. Personen hingegen, deren Welt am Tellerrand endet sind ungeduldig.
Für Unternehmen ein Schlaraffenland. Sie greifen im Internet die Verhaltensparameter potentieller Kunden ab und beliefern sie direkt mit Werbung.

Quelle der Grafik: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0073791#pone-0073791-g001

Gefühlsregulation

Erste-Hilfe-Koffer bei Selbstwertproblemen

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Der amerikanische Psychologe Guy Winch hat jetzt einen Erste-Hilfe-Koffer bei Selbswertproblemen nach Verletzungen des Selbstwertes zusammengestellt, den jeder nutzen kann.[1]

Warum verlieren viele Menschen so schnell Ihre Selbstachtung? Eine kränkende Bemerkung ist wie eine Ohrfeige, werden sie übergangen, sperren sie sich in ein Glashaus aus negativen Gedanken. Sie sind in einem Strudel selbstabwertender Gedanken gefangen. Die Gefühlsregulation ist unterbrochen. Das emotionale Immunsystem wird von schlechten und belastenden Erinnerungen angegriffen – das Positive ist wie ausgeblendet. Und der Leidensdruck wird immer größer.

Leider können wir uns nicht selbst trösten. So kommt es, dass übersteigerte Selbstzweifel Angst erzeugen können und kumulativ wirken, sich also selbst verstärken. Unsichere Personen simulieren Selbstwertkatastrophen werden simuliert, die dann auch eintreffen Sie machen sich selbst zu Versagern. Guy Winch schlägt ein 4 – Punkte Programm zur Selbststärkung vor, das die Betroffenen an sich selbst anwenden sollen.

Üben Sie Nachsicht mit sich selbst

Guy Winch rät: Üben Sie Nachsicht mit sich selbst. Aber eins nach dem anderen. Im ersten Schritt fordert Wynch zur Schreibtherapie auf. Schreiben Sie den Moment des Versagens oder der Kritik möglichst genau auf; wie kam es zu dieser Situation, warum genau haben Sie sich schlecht gefühlt.
Als nächstes stellen Sie sich vor, dieselbe Zurückweisung wäre einem Freund oder einem Kind passiert.
Im dritten Schritt üben Sie Nachsicht mit diesem Freund und trösten ihn.

Schließlich kehren Sie in Ihre eigene Person zurück und versuchen noch einmal die kränkende Situation so genau wie möglich zu beschreiben. Diesmal mit jener objektiven Haltung, die Sie dem Freund gegenüber innehatten. Und  interpretieren Sie nicht. Das fördert die Gefühlsregulation. Sie sollen lernen, mit sich selbst nachsichtig zu sein. Je öfter dies eingeübt wird, desto schneller stellt sich das Gefühl ein: Ich bin o.k. so wie ich bin! Das ist das Ziel.

Im Rahmen des Biografie-Coaching Kurses[2] mit meinem Kollegen Brian Haydn fordere ich die Teilnehmer/Innen zu eben diesen Schreibübungen auf. In mehreren Übungen soll die „Versagenssituation“ reaktiviert und bearbeitet werden. Wenn andere Kursteilnehmer ihre Gedanken dazu äußern, wird festgestellt, dass das Verhaltensschema eingefahrenen ist und immer wieder dieselben Reaktionsmuster produziert.

Eigene Stärken anerkennen

Sicher gibt es Leute, von denen Sie gemocht oder bewundert werden – Sie haben es nur schon vergessen! Eigene Stärken anerkennen, sich der eigenen Erfolge bewusst zu sein, ist die größte Selbstbestätigung. Aber hüten Sie sich vor „Selbstaffirmationen“ wie: „Ich bin toll! Ich bin stark! Ich kann das!“ Axel Wolf schreibt, dass „solche Selbstsuggestionen scheitern, weil sie auf eine viel zu große Kluft zwischen subjektiver Befindlichkeit und Realität hinweisen.“[3]

Nehmen Sie positives Feedback an

Wer in der Selbstwertfalle steckt tut sich schwer, Komplimente anzunehmen. Nehmen Sie positives Feedback an! „Paradoxerweise ziehen sich Menschen mit geringem Selbstwertgefühl oft von Partnern, ‚Freunden oder Kollegen zurück, die ihnen positive Rückmeldungen geben.“

Auch hier hilft eine Schreibübung. Notieren Sie Episoden, in denen Ihnen Partner, Familienmitglieder oder Freunde gezeigt haben, dass Sie etwas gut gemacht haben, dass Sie gemocht oder sogar geliebt werden, dass Sie liebenswerte Eigenschaften haben, um die Sie sogar bewundert oder beneidet werden. Rekapitulieren Sie, wie Sie auf dieses Feedback reagiert haben und warum Sie es nicht annehmen konnten. Warum haben Sie mit Unbehagen reagiert, sich sogar zurückgezogen? Was genau ist gelobt oder anerkannt worden. Anhand dieser Selbstanalyse können Sie herausfinden, dass Sie die Komplimente zu Recht erhalten haben und dass andere Menschen Sie keineswegs für einen Loser halten.[4]

Stehen Sie für sich selbst ein

Bereiten Sie sich bestens auf Ihre Schwächen in der Zukunft vor. Stehen Sie für sich selbst ein. Sie haben in den vorherigen Punkten bemerkt, dass sie Kompetenzen haben. Dass Sie eine Selbstwirksamkeit haben – Dinge beeinflussen können. Finden Sie die negativen Anker der Gefühlsregulation.  Gehen Sie zunächst in Gedanken alte, erniedrigende Situationen in Ihrer Partnerschaft oder am Arbeitsplatz durch und legen Sie sich genau ihre Worte zurecht und wie sie reagieren wollen. Legen Sie fest, wie weit der/die andere gehen darf, wie weit sie zurückweichen wollen. Bleiben Sie ruhig – definieren Sie die Spielregeln neu. Planen Sie strategisch, ohne Ihre Emotionen zu verleugnen.

Leichter ist es natürlich, solche Strategien in der Gruppe einzuüben.

[1] Guy Winch: Emotional First Aid, Plum Verlag, Paperback 2014

[2] Helmut Bundschuh, Heilzentrum Bogenhausen, Biografie-Arbeit und Coaching: http://www.psychotherapie-heilzentrum-bogenhausen.de/index.php/biographie-coaching/warum-biografie-arbeit

[3] Axel Wolf in: Psychologie heute compact, Heft 38, S.81 ff., Julius Belz Verlag, Weinheim, 2014

[4] ebenda

Gesprächstherapie

Die 10 Lernprinzipien nach Carl Rogers

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Klientenzentrierte Gesprächstherapie ist aus dem Werkzeugkasten heutiger Psychotherapeuten nicht mehr wegzudenken. Dabei hat sie sich durch einen Zufall entwickelt.

Assistenzzeit in einer New Yorker Erziehungsberatungsstelle

Psychotherapie - Die Selbsthilfegruppe rot schwarzWährend seiner Assistenzzeit in einer New Yorker Erziehungsberatungsstelle kam der amerikanische Psychologe Carl Rogers immer mehr von der „direktiven Psychotherapie“ nach Freud ab und stellte fest, „dass der Klient derjenige ist, der weiß, wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen [ist], welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind“.[1] Er beobachtete, wie Sozialarbeiter die eigenen Möglichkeiten der Kinder zur Problembewältigung nutzten und schrieb ein Buch über klientenzentrierte Therapie. In der Folge entwickelte sich daraus die Klientenzentrierte Gesprächstherapie.

Die zehn Lernprinzipien

Die zehn Lernprinzipen von Rogers sind aus der Gesprächstherapie nicht mehr wegzudenken. Sie lauten:
1. Menschliche Wesen haben die natürliche Gabe zu Lernen.
2. Lernen findet dann statt, wenn der Schüler den Lerninhalt selbst für wichtig hält, er ein Ziel vor Augen hat und er den Lerninhalt zum Erreichen des Zieles für wichtig hält.
3. Abgelehnt werden Lerninhalte, wenn der Lernende den Inhalt für sich und seine Entwicklung für bedrohlich hält.
4. Eine leichtere Wahrnehumung von Lerninhalten findet statt, wenn es keine äußeren Bedrohungen gibt.
5. Wenn es wenig Gefahren für das eigene Selbst gibt, können Erfahrungen in unterschiedlichen Facetten wahrgenommen werden und der Lernprozess kann voranschreiten.
6. Lerninhalte werden leichter verankert, wenn sie durch unterstützende Handlungen angeeignet wurden.
7. Die Selbstverantwortlichkeit des Schülers fördert und erleichtert einen Lernprozess. Das heißt auch, dass ein Schüler die Freiheit zur Selbsterantwortlichkeit hat.
8. Die durchdringendsten und nachhaltigsten Lernerfahrungen werden erzielt, wenn das Lernen die Person als Ganzes erfordert, also sowohl Emotionen als auch Intellekt.
9. Unabhängigkeit, Kreativität, und Selbstvertrauen werden dann gefördert, wenn Selbstkritik und Selbsteinschätzung wichtiger eingeschätzt werden als die Beurteilung durch andere.
10. Den größten sozialen Nutzen erbringt das Erlernen von Lernprozessen, wenn der Schüler dadurch eine Offenheit für Veränderungen erfährt und diese in das eigene Selbstbild integriert.
[1] Carl Rogers: Entwicklung der Persönlichkeit – Psychotherapie aus der Sicht eines Therapeuten, 1996, S. 27f.

Selbsthilfegruppe für Herzkranke

Selbsthilfegruppe für Herzkranke mit seelischen Belastungen in München gegründet

Ein Bericht von Helmut Bundschuh

Lernen mit Belastungen umzugehen

IMG_0355In München wurde die Selbsthilfegruppe Herzkrank – wohin mit den Ängsten und Sorgen? gegründet. In der Selbsthilfegruppe sollen Herzkranke lernen mit Belastungen umzugehen. Sie ist für Patienten gedacht, die eine Herzerkrankung erlitten haben und in der Folge unter seelischen Belastungen leiden. Es ist die erste Selbsthilfegruppe im süddeutschen Raum, die sich um diese Patientengruppe kümmert. Herzkranke finden selten seelische Unterstützung nach schweren Eingriffen, jeder dritte Herzpatient leidet unter Ängsten oder depressiver Niedergeschlagenheit – häufig werden Belastungsreaktionen nach einer Herzerkrankung nicht erkannt.

Selbsthilfegruppe für alle Herzkranke

Die Selbsthilfegruppe ist für alle Herzkranke geeignet, die Unterstützung suchen. Im Besonderen für
○             Herzpatienten, die unter Ängsten und Niedergeschlagenheit leiden
○             nach Herzkatheter
○             Stent-Implantation
○             Herzinfarkt
○             Bypass-Operation
○             Herzrhythmusstörungen
○             Herzschrittmacher
○             Defibrillator-Implantation
○             Wer bemerkt, dass das Leben nach der Erkrankung den gewohnten   Rhythmus verloren hat, dass der alte Lebensstil nicht mehr passt, wer seither von Ängsten oder Sorgen geplagt wird oder wer sich ungewöhnlich niedergeschlagen fühlt.

Treffen im Selbsthilfezentrum München

Die Selbsthilfegruppe Herzkrank – wohin mit den Ängsten und Sorgen? trifft sich jeden 4. Montag, von 18.00 bis 20.00 Uhr im Selbsthilfezentrum München, Westendstraße 68, 80339 München. Anmeldungen unter 089-53295612 im Selbsthilfezentrum, unter 089-61515547 im Heilzentrum Bogenhausen oder 0174-8949435.

Helmut Bundschuh