Neues Medikament kommt auf den Markt

Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche. Die EU lässt das neue Medikament Entresto frühzeitig zu. Damit ist das Medikament für Herzpatienten mit Herzinsuffizienz sofort verfügbar.

Die dualen Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril sind so wirksam, dass eine Doppelblindstudie abgebrochen wurde, um das Medikament auf den Markt zu bringen. Profitieren dürften Patienten mit Herzinsuffizienz, also Menschen mit Pumpschwäche des Herzmuskels. Die Folgen dieser Erkrankung sind extremer Leistungsabfall, Atemnot bei geringster Belastung bis hin zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Lungenödem).

Bisher diente zur Behandlung dieser progredienten, kaum aufzuhaltenden Herzerkrankung Enalapril als Goldener Standard. Der ACE-Hemmer blockiert die Produktion von Angiotensin, das über unterschiedliche Mechanismen den Blutdruck in den Nieren und Gefäßen erhöht und auf lange Sicht zu Nierenschäden führen kann.

Neue Wirkweise von Sacubitril

Das neue Medikament kombiniert jetzt die beiden Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril. Valsartan greift in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ein, ein schon bekannter Vorgang. Neu ist die Wirkweise von Sacubitril: Der Wirkstoff hemmt das Enzym Neprilysin und bewirkt ein vermehrtes Ausscheiden von Natrium und Wasser über die Nieren. Der Blutdruck wird gesenkt, der Herzmuskel entlastet.

Schnelle Einführung zum Nutzen der Patienten

Das Herzmedikament war bei einer Doppelblindstudie in den USA so erfolgreich, dass sich die dortige Arzneimittelbhörde FDA veranlasst sah, einem Abbruch der Studie zuzustimmen, um das Medikament zur Behandlung schwerer Herzinsuffizienz zur Verfügung zu stellen. Unter dem Namen Entresto® wird es jetzt auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Neue Wege in der Trauerbegleitung

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Der Psychotherapeut Roland Kachler hat ein neues Konzept zur Trauerbegleitung entwickelt, das es dem Trauerbegleiter erlaubt, aktiv in den Bewältigungsprozess einzugreifen.

Comforting friend. Woman consoling her sad friend.Trauerbegleitung beschränkte sich lange Zeit auf die passive Begleitung, Zuhören, Verständnis, Empathie und Achtsamkeit waren die therapeutischen Hilfsmittel der ersten Wahl. Zwar unterstützt, aber weitgehend selbständig, sollten die Klienten die klassischen Stufen des Trauerprozesses nach Kübler-Ross und Bowlsby durchschreiten. Wie viele Kollegen fühlte auch ich mich unwohl, nicht aktiv eingreifen zu können, wenn es mir sinnvoll und nötig erschien.

Im Kreislauf der Problemtrance

Menschen, die zur Beratung kommen, befinden sich häufig in einer Problemtrance. Ihre Aufmerksamkeit ist ausnahmslos auf das Problem gerichtet, sie sind zunächst im Kreislauf der Trauer gefangen, fühlen sich vom Problem hypnotisiert und verhalten sich auch so. Dieser Vorgang wird vom Betroffenen als unwillkürlich, also kaum beeinflussbar erlebt, Veränderungen im Trauerprozess bleiben häufig unzugänglich.

Einsatz von Distanzierungstechniken

Kachler schlägt vor, durch Distanzierungstechniken die Problemtrance aufzuheben, um in eine Lösungstrance zu kommen. Distanzierungstechniken helfen, das Problem von außen zu betrachten, Klienten erfahren es als nicht mehr allein zu ihnen gehörig. Lösungsmöglichkeiten werden klarer und greifbarer.

Um die „Umfokussierung“ zu unterstützen, werden in der hypno-systemischen Arbeit alle Sinneskanäle aktiviert, viele Techniken stammen aus dem Werkzeugkoffer der integrativen Therapie. Es wird mit Veränderungen der Körperhaltung, mit Visualisierungen, mit inneren Bildern, inneren Teams, mit Metaphern und Symbolen, Aufstellung des Problems im Raum und mit Fokussierungsübungen gearbeitet.

Fazit: Selbstkontrolle durch Selbstmanagement

Durch die Erfahrung von konkreten Unterschieden zwischen Problem- und Lösungszuständen auf allen Sinnesebenen und durch das bewusste Gestalten dieser Zustände beginnt der Trauernde, aktives Selbstmanagement zu betreiben. Man nimmt sich wieder als handelndes Subjekt wahr und gewinnt wieder Kontrolle über sich selbst.

Kriegskinder

Wie gehen Angehörige mit den Qualen Trauma geschädigter Partner und Eltern um?

Jeder Krieg hinterlässt Kinder mit gefrorenen– eine Generation, die im Krieg geboren und aufgewachsen ist, oft nicht selbst beteiligt – aber dazu verurteilt war, alles sehen zu müssen und mitzuerleben.

Das betraf die Generation unserer Eltern und Großeltern genauso wie heute Emigranten aus dem Nahen Osten. Doch wer einen solchen Menschen zu seinem Partner macht, erkennt nicht sofort die traumatischen Belastungen, die eine Beziehung zum Scheitern verurteilen können. Und die Kinder? Haben sie eine Chance, den Re-Traumatisierungen des Vaters oder der Mutter zu entgehen? Sie sind die Benachteiligten. Als Angehörige werden sie oft übersehen und entwickeln dieselben Ängste wie ihre Partner oder Eltern.

Ein innerer Kriegalte Fotos betrachten

Das Kriegsende am 8. Mai vor 70 Jahren war der Tag einer neuen Freiheit, doch für die traumatisierten Kriegskinder, die Tod, Hunger und Entwurzelung gesehen haben, war es der Beginn eines inneren Krieges. Sie leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsreaktion, wie wir sie von aus Afghanistan zurückkehrenden Soldaten kennen. Grausame Erinnerungen drängen sich auf und kehren immer wieder zurück, doch die Kriegskinder sprechen nicht darüber. Partner und Kinder sind den oft gewalttätigen Gefühlsausbrüchen hilflos ausgeliefert.

Angst ist der Preis des Wohlstandes

Ich habe mich oft gefragt, warum die Ängste seiner Eltern, die den 2. Weltkrieg erlebten, wie ein Tuch des Schweigens über ihm lagen, sagt: „Wir tragen die Schäden unserer Vorfahren von Generation zu Generation weiter. Der Fleiß unserer Eltern hat uns Wohlstand gebracht, trotzdem sind wir mit unserem Leben unzufrieden. Anscheinend gibt es Werte, die uns nicht vermittelt wurden.“ Eines von vier Kriegskindern zeigt sich in seiner Lebensqualität eingeschränkt, sie leiden an Angstzuständen, Depressionen und psychosomatischen Beschwerden, Herzrasen oder chronischen Schmerzen, wie der Münchner Psychiater Michael Ermann in einer Studie herausfand.