Psychologische Beratungsstelle Lotse im Nachbarschaftstreff Messestadt Riem

Riem · Krisen im Leben sind dafür da, um bewältigt zu werden. Genau da knüpft die neue Beratungsstelle »Lotse München« im Nachbarschaftstreff Messestadt-Riem an.

Das Beratungsteam Brahim Haydn und Helmut Bundschuh, beide niedergelassene Heilpraktiker für Psychotherapie, helfen mit ihrer ehrenamtlichen und kostenlosen Beratung, dass Menschen in Not den ersten Schritt aus ihrer Krise finden. Die seit Juli existierende Beratungsstelle befindet sich im Nachbarschaftstreff Messestadt-Riem in der Heinrich-Böll-Straße 69 und ist an den Dienstagen, 20. Oktober, 17. November und 8. Dezember, jeweils von 16 bis 20 Uhr geöffnet.

Die beiden Heilpraktiker für Psychotherapie Brahim Haydn und Helmut Bundschuh stehen Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite. Foto: arDie beiden Heilpraktiker für Psychotherapie Brahim Haydn und Helmut Bundschuh stehen Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite.	Foto: ar

Egal wie alt man ist oder welche Lebensgeschichte man hat, jeder Mensch kann in eine Krise geraten. Oft sind familiäre Gründe, der Verlust des Partners oder eines Kindes sowie große Enttäuschungen in der Beziehung Auslöser einer Krise. Noch stärker belasten können traumatische Erlebnisse oder akute Belastungssituationen, Entwurzelung und Vereinsamung. Pflegende Angehörige denken häufig nicht daran, für sich selbst zu sorgen, bis sie erschöpft sind. Oft wird gefragt, was Psychotherapie eigentlich ist und wem sie helfen kann. Ob sie die richtige Behandlung ist, klären die beiden Heilpraktiker für Psychotherapie in einem eingehenden zirka 20-minütigen Gespräch.

Vertrauliche Gespräche

»Man muss nicht gleich krank sein, wenn man sich schlecht fühlt«, sagt Helmut Bundschuh. »Wir lassen uns im vertraulichen Gespräch die Situation schildern, um herauszufinden, wie ein geeigneter Lösungsweg aus der Krise beschritten werden kann und vermitteln auch Terminvereinbarungen für Therapieplätze über die Kassenärztliche Vereinigung Bayern, mit einem sozialen Dienst oder anderen Krisenstellen. Wir streben an, den Zugang zu therapeutischen Einrichtungen zu erleichtern«, erklärt Bundschuh. »Wir stellen keine Diagnose, sondern geben Empfehlungen«, ergänzt Brahim Haydn. Trotz der im deutschlandweiten Vergleich guten Versorgungslage gibt es wie in anderen Ballungsgebieten auch in München nur eine begrenzte Zahl an Behandlungsplätzen. »Das häufigste Problem ist, dass die meisten nicht wissen wie sie zu einer Therapie, einer fachgerechten psychologischen Beratung kommen und der Engpass bei psychologischen Therapieplätzen und damit verbundenen sehr langen Wartezeiten, lässt viele verzweifeln«, weiß Haydn.

Wartezeiten für Kassenpatienten können oft mehrere Monate dauern. Daher versucht die Psychologische Beratungsstelle »Lotse München« zusammen mit den Hilfesuchenden schnell einen geeigneten Platz zu finden. Es wird informiert, wie durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen eine Behandlung gewährleistet werden kann und wie der Gesetzgeber den Anspruch auf Psychotherapie festgelegt hat. »Wir nutzen die Vermittlungsstelle für Psychotherapieplätze bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern Bayerns (KVB) und können bei entsprechendem Bedarf die Suche nach einem Therapieplatz unterstützen«, so Bundschuh.

Manchmal hilft schon ein Gespräche

Aber es geht nicht nur um die Suche nach einem Therapieplatz. »Manchmal hilft schon ein Gespräch. Wir versuchen eine erste Hilfe zu geben«, erläutert Bundschuh. »Manchmal reicht auch nur der Anstoß, sich vielleicht eine ehrenamtliche Tätigkeit zu suchen, um wieder einen Sinn in seinem Leben zu sehen«, führt Bundschuh als Beispiel an. Lotse München versteht sich als die Stelle, die man besucht, bevor das Problem einen komplett überwältigt. Gerade in schwierigen Situationen sind Hilfesuchende nicht in der Lage, zum Telefon zu greifen oder eine der Kriseninterventionsstellen aufzusuchen. Lotse greift genau da mit seinem Angebot den Hilfesuchenden unter die Arme. »Häufig wissen viele nichts von entsprechenden Institutionen oder wie sie mit ihnen in Kontakt treten können«, erzählt Haydn. Daher ist die Beratungsstelle mit jeder Menge Infomaterialien der entsprechenden Einrichtungen und Institutionen in München ausgestattet.

»Wir versuchen aufzuklären, Ängste abzubauen und Lösungswege zu finden, da meist die Leute sofort zumachen bei den Stichworten psychologische Betreuung, Therapie usw.», so Haydn. Die psychologische Beratungsstelle ist aber keine Psychotherapie und ersetzt diese auch nicht. »Zwischen unserem ehrenamtlichen Angebot und unser eigenen Praxis wird klar getrennt. Wir stehen den Ratsuchenden nur in der Beratung zur Verfügung, nicht für eine weiterführende Therapie, hier verweisen wir auf die Therapeuten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern. Wir führen lediglich ehrenamtlich eine kostenlose Beratung durch, die es so in München noch nicht gab«, stellt Bundschuh klar.

Hoher Bedarf

Der hohe Bedarf eines solchen Angebotes sei definitiv da. »In meiner eigenen Praxis und beruflichen Tätigkeit sieht man tagtäglich wie wichtig so ein niederschwelliges Angebot dringend notwendig ist«, erzählt Bundschuh. Man hatte extra die Messestadt als Standort gewählt, weil man hier eine hohe Zahl Hilfesuchender vermutete. »Im Gegenteil haben wir dann festgestellt, viele kommen aus allen Teilen Münchens und des Landkreises zu uns in die Beratung«, stellt Haydn fest, für den eine Beratung auch auf Englisch kein Problem darstellt. »Abgesehen davon ist jeder, egal wer bei uns in die Beratung kommt willkommen«, so Haydn. Um sprachliche Schwierigkeiten zu überwinden, kann an mehrsprachige Ärzte oder Psychotherapeuten vermittelt werden. »Wir verstehen uns als niedrigschwellige Schnittstelle, wie es sie in München noch gar nicht gibt«, so Bundschuh abschließend und ergänzt »Wer Hilfe benötigt und haben möchte, kann einfach vorbeikommen, völlig anonym.« Adele Rager