Persönlichkeitsspiegel Facebook

Was verrät Facebook über unsere Persönlichkeit

von Helmut Bundschuh

Spuren, die wir in sozialen Netzwerken hinterlassen, sind wie unsere Fingerabdrücke. Aber was kann Facebook über unsere Persönlichkeit verraten? Für Unternehmen lohnt es sich nicht mehr, Anzeigen zu schalten, um Kunden zu finden. Daten, die sie über uns brauchen, stehen schon im Netz – wir haben sie selbst hinterlassen, wie einen Persönlichkeitsspiegel.
Auch Psychologen interessieren sich dafür, denn bei Facebook, Twitter und Co. finden sie Selbstbeschreibungen unserer Persönlichkeit, die besser sind als jeder Fragebogen: direkt, emotional und ungeschönt. Sie verraten, ob Menschen in schwierigen Lebensveränderungen sind. So interessiert sich Helmut Bundschuh in der Praxis für Psychotherapie in Bogenhausen durchaus für das Verhalten seiner Klienten in den sozialen Medien. Sie ergeben ein Persönlichkeitsprofil über die bekannten Persönlichkeitsdimensionen, die Big Five. Das sind Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit.

Persönlichkeitsprofile bei Facebook

Die Kommunikationswissenschaftlerin Pavica Sheldon untersuchte, wie sich die Persönlichkeitsprofile bei Facebook präsentieren und stellte fest, dass introvertierten Nutzer durch das Netz surfen und emotionale Wortwolken hinterlassen. Währenddessen verweilen Extravertierte zwar nur kurz im Internet, nutzen allerdings die Verweilzeit optimal zur Selbstdarstellung. Facebook speichert ihre Persönlichkeit.

Persönlichkeitsspiegel Facebook
Die Wortwolke beschreibt das Internetverhalten von 18 bis 21 Jährigen

In der bisher größten Studie (Personality, Gender, and Age in the Language of Social Media) dieser Art wertete Prof. Andrew Schwartz von der University of Pensylvania in Pittsburgh 75 000 Freiwillige aus, die online einen Persönlichkeitstest absolvierten. 700 Millionen Phrasen und Wörter sortierte sein Team nach ihrer Häufigkeit und ordnete sie einem bestimmten Persönlichkeitstyp zu.
Extravertierte konzentrieren sich demnach auf die Außenwelt und sind erlebnishungrig. Die am häufigsten verwendeten Wörter sind Party, Mädchen (Jungs), schnell-schnell, ich liebe dich… . Introvertierte sind hingegen fantasievoll, assoziativ und kreativ, sie verraten sich durch ihren emotionalen Stil.

Neurotiker hinterlassen Spuren

Neurotiker, also wenig belastbare Personen, bringen ihre Anspannung zum Ausdruck und hinterlassen Spuren ihrer Persönlichkeit bei Facebook. Oft finden sich Wörter wie Depression, Einsamkeit oder Verweigerung. Stabile Menschen schreiben von Dankbarkeit, Familie, Team und Erfolg. Wenig verträgliche Personen reagieren sich in einem wahren Shitstorm mit Kraftausdrücken ab: Shit, Nutte, fuck sind die meist benutzen Worte. Im Gegensatz dazu die Friedfertigen, sie schreiben von wundervoll, Begeisterung und Dankbarkeit.
Selbstdisziplinierte und gewissenhafte Menschen schreiben oft von der Arbeit, sie sind bereit, begeistert, beschäftigt und erleben jeden Tag als „großen Tag“. Der Leichtfuß und Undisziplinierte schaut You Tube, Softopera, liest Comics und alles, was wenig soziales Engagement abverlangt. Offene Menschen schreiben von Literatur, Kunst, Psychologie, vom Schreiben, vom Universum, der Seele und vom Träumen. Personen hingegen, deren Welt am Tellerrand endet sind ungeduldig.
Für Unternehmen ein Schlaraffenland. Sie greifen im Internet die Verhaltensparameter potentieller Kunden ab und beliefern sie direkt mit Werbung.

Quelle der Grafik: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0073791#pone-0073791-g001