Emotionen regulieren

Die 7 Gesichter der Emotionen

Ein Beitrg von Helmut Bundschuh

Menschen können ihre Gemütszustände kaum verbergen. Sie kjönnen ihre Emotionen regulieren. Der amerikanische Anthropologe und Psychologe Paul Ekman stellte fest, dass unsere Gemütszuständen auf sieben Grundemotionen zurückzuführen sind: Sie spiegeln sich im Gesichtsausdruck und werden weltweit in allen Kulturen verstanden.

Jeder reguliert seine Emotionen anders

Paul Ekman glaubt, darin eine anthropologische Konstante, eine Mitgift der Evolution zu erkennen. Die sieben Grundkonstanten unserer Emotionen sind Überraschung, Angst, Freude, Wut, Traurigkeit, Verachtung und Ekel.[1]
Portrait of Sad Senior Woman 16Jeder reguliert seine Emotionen anders. Offenbar ist es nicht so entscheidend, ob eine bestimmte Emotionen aufsteigt, sondern es kommt darauf an, wie lange wir in dieser Emotion bleiben, wie intensiv sie in unseren Gedanken verweilt und wie wir sie zum Ausdruck bringen, sagt der Münchner Heilpraktiker Helmut Bundschuh .

Längerfristige Ziele erreichen

Menschen können Emotionen im Unterschied zu den meisten Tieren willentlich lenken. Diese Fähigkeit erlaubt es, frustrierende Handlungen zu planen und durchzuführen, um längerfristige Ziele zu erreichen. Eine gelungene Gefühlsregulation ist eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Leben, so Paul Ekman.
Der amerikanische Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman setzt hingegen voraus, dass es zwei Stilarten der Gefühlsregulation gibt:

Bestimmte Menschen vertrauen auf ihre Intuition und lassen sich von den Gefühlen leiten. Sie neigen dazu, Probleme und Konflikte in emotional aufgeladenen Situationen „aus dem Bauch heraus“ zu regulieren. Sie verlieren den Kontext der Situation aus den Augen, Einzelheiten spielen dann eine geringe Rolle. Dieser emotionale, intuitive Stil ist in Situationen hilfreich, in denen Verhalten rasch ausgeführt werden muss oder wenn komplexe Situationen nicht detailliert analysiert werden können.[2]

Probleme in der Beziehungsgestaltung

Wird der emotionale Stil generalisiert und in jeder Situation angewandt, entstehen Probleme in der Beziehungsgestaltung und Kommunikation. Speziell in sehr emotionalen Situationen kommt es dann zu je nach Persönlichkeitstyp zu unpassenden Reaktionen verschiedener Kategorien. Etwa wie Kathastrophisieren und Persönlichnehmen, aggressiven Ausbrüchen oder narzistische Reaktionen und Abwertungen. Einige impulsive Menschen zeigen emotionale Präsenz, häufig Mitgefühl und viele Mitmenschen fühlen sich emotional mit ihnen verbunden. Sie wirken weniger verkopft und analytisch.
Andere wirken eher kongnitiv, durchdacht und vernünftig. Sie scheinen ihre Gefühle eher über den Verstand zu regeln. Manchmal wirken diese Personen einschüchternd, kühl und distanziert. Sie werden als kompetent verstanden, aber bei emotionalen Problemen wendet man sich lieber an jemand anderen. Oft fällt es ihnen schwer, Emotionen überhaupt zu erkennen oder zuzulassen, und sie wirken manchmal etwas unterkühlt.

Die Unterdrückung von Gefühlen ist eine typische Strategie zur Emotionsregulation

Die Unterdrückung von Gefühlen ist eine typische Strategie zur Emotionsregulation. Sie rationalisieren, selbst wenn ihr Gegenüber eher das Bedürfnis nach einer Umarmung hätte.
Eine zu starke Fokussierung auf eine rein rationale Regulation von Gefühlen ist also nicht immer wünschenswert. Hier beginnen die Probleme: Da Gefühlsunterdrückung längerfristig zu einer Übererregung des autonomen Nervensystems führt, ist die Somatisierung eine häufige Reaktion. Ein typisches Beispiel ist die rein rationale Reaktion auf einen Todesfall. Gefühle, die in dieser Situation wichtig wären, werden abgespalten.
Solche Personen weisen ein erhöhtes Risiko auf, später depressiv zu werden. Ursache ist, dass die unterdrückte Emotion nicht einfach verschwunden werden kann.

Bei vielen Menschen kommen Mischformen vor – ein Stil mag etwas stärker ausgebildet sein, die beiden Formen der Gefühlsregulation stellen Extreme dar. Bei Personen mit Borderline-Störung spielen die Emotionen oft verrückt, wechseln von einem zum anderen Extrem – gleichzeitig wechselt dann auch der Stil im Umgang mit diesen Emotionen, von überemotional bis überkognitiv.

[1] Vgl. Paul Ekman: Gefühle lesen – Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren

[2] Vgl. Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken

 

Gesprächstherapie

Die 10 Lernprinzipien nach Carl Rogers

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Klientenzentrierte Gesprächstherapie ist aus dem Werkzeugkasten heutiger Psychotherapeuten nicht mehr wegzudenken. Dabei hat sie sich durch einen Zufall entwickelt.

Assistenzzeit in einer New Yorker Erziehungsberatungsstelle

Psychotherapie - Die Selbsthilfegruppe rot schwarzWährend seiner Assistenzzeit in einer New Yorker Erziehungsberatungsstelle kam der amerikanische Psychologe Carl Rogers immer mehr von der „direktiven Psychotherapie“ nach Freud ab und stellte fest, „dass der Klient derjenige ist, der weiß, wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen [ist], welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind“.[1] Er beobachtete, wie Sozialarbeiter die eigenen Möglichkeiten der Kinder zur Problembewältigung nutzten und schrieb ein Buch über klientenzentrierte Therapie. In der Folge entwickelte sich daraus die Klientenzentrierte Gesprächstherapie.

Die zehn Lernprinzipien

Die zehn Lernprinzipen von Rogers sind aus der Gesprächstherapie nicht mehr wegzudenken. Sie lauten:
1. Menschliche Wesen haben die natürliche Gabe zu Lernen.
2. Lernen findet dann statt, wenn der Schüler den Lerninhalt selbst für wichtig hält, er ein Ziel vor Augen hat und er den Lerninhalt zum Erreichen des Zieles für wichtig hält.
3. Abgelehnt werden Lerninhalte, wenn der Lernende den Inhalt für sich und seine Entwicklung für bedrohlich hält.
4. Eine leichtere Wahrnehumung von Lerninhalten findet statt, wenn es keine äußeren Bedrohungen gibt.
5. Wenn es wenig Gefahren für das eigene Selbst gibt, können Erfahrungen in unterschiedlichen Facetten wahrgenommen werden und der Lernprozess kann voranschreiten.
6. Lerninhalte werden leichter verankert, wenn sie durch unterstützende Handlungen angeeignet wurden.
7. Die Selbstverantwortlichkeit des Schülers fördert und erleichtert einen Lernprozess. Das heißt auch, dass ein Schüler die Freiheit zur Selbsterantwortlichkeit hat.
8. Die durchdringendsten und nachhaltigsten Lernerfahrungen werden erzielt, wenn das Lernen die Person als Ganzes erfordert, also sowohl Emotionen als auch Intellekt.
9. Unabhängigkeit, Kreativität, und Selbstvertrauen werden dann gefördert, wenn Selbstkritik und Selbsteinschätzung wichtiger eingeschätzt werden als die Beurteilung durch andere.
10. Den größten sozialen Nutzen erbringt das Erlernen von Lernprozessen, wenn der Schüler dadurch eine Offenheit für Veränderungen erfährt und diese in das eigene Selbstbild integriert.
[1] Carl Rogers: Entwicklung der Persönlichkeit – Psychotherapie aus der Sicht eines Therapeuten, 1996, S. 27f.

Psychokardiologie

Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Kongress für Psychokardiologie in Berlin

Psychokardiologie – was Ärzte und Psychologen bei der Behandlung von Herzpatienten wissen und beachten sollten – das ist eines der Themen beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 25. bis 28. März in Berlin stattfindet.
Junger Chirug Junger Arzt mit Schild Endovaskuläre ChirurgieDie Psychokardiologie als zentrale Disziplin der Internistischen Psychosomatik entwickelt sich in Forschung und Klinik rasant weiter. Neben dem aktuellen Wissenstand in der Psychokardiologie soll das Grundwissen in der Behandlung von Herzpatienten Ärzten und Psychotherapeuten näher gebracht werden.
Bei dieser Patientengruppe spielen psychosoziale Risikofaktoren eine wesentliche Rolle. Ärzte und Psychologen sollen für das  traumatische Erleben an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod sensibilisiert werden. Unter der Leitung von Dr. C. Waller soll differentialdiagnostisches Vorgehen bei Herzbeschwerden, Verleugnung und Prävention vorgestellt werden.

Helmut Bundschuh

Selbsthilfegruppe für Herzkranke

Selbsthilfegruppe für Herzkranke mit seelischen Belastungen in München gegründet

Ein Bericht von Helmut Bundschuh

Lernen mit Belastungen umzugehen

IMG_0355In München wurde die Selbsthilfegruppe Herzkrank – wohin mit den Ängsten und Sorgen? gegründet. In der Selbsthilfegruppe sollen Herzkranke lernen mit Belastungen umzugehen. Sie ist für Patienten gedacht, die eine Herzerkrankung erlitten haben und in der Folge unter seelischen Belastungen leiden. Es ist die erste Selbsthilfegruppe im süddeutschen Raum, die sich um diese Patientengruppe kümmert. Herzkranke finden selten seelische Unterstützung nach schweren Eingriffen, jeder dritte Herzpatient leidet unter Ängsten oder depressiver Niedergeschlagenheit – häufig werden Belastungsreaktionen nach einer Herzerkrankung nicht erkannt.

Selbsthilfegruppe für alle Herzkranke

Die Selbsthilfegruppe ist für alle Herzkranke geeignet, die Unterstützung suchen. Im Besonderen für
○             Herzpatienten, die unter Ängsten und Niedergeschlagenheit leiden
○             nach Herzkatheter
○             Stent-Implantation
○             Herzinfarkt
○             Bypass-Operation
○             Herzrhythmusstörungen
○             Herzschrittmacher
○             Defibrillator-Implantation
○             Wer bemerkt, dass das Leben nach der Erkrankung den gewohnten   Rhythmus verloren hat, dass der alte Lebensstil nicht mehr passt, wer seither von Ängsten oder Sorgen geplagt wird oder wer sich ungewöhnlich niedergeschlagen fühlt.

Treffen im Selbsthilfezentrum München

Die Selbsthilfegruppe Herzkrank – wohin mit den Ängsten und Sorgen? trifft sich jeden 4. Montag, von 18.00 bis 20.00 Uhr im Selbsthilfezentrum München, Westendstraße 68, 80339 München. Anmeldungen unter 089-53295612 im Selbsthilfezentrum, unter 089-61515547 im Heilzentrum Bogenhausen oder 0174-8949435.

Helmut Bundschuh

Herzkrank und Nulldiät

Nulldiät kann gefährlich werden

Nulldiät und Herzkrankheit, passt das zusammen? Nur unter ärztlicher Aufsicht. Mehrere Tage oder Wochen werden keine Kalorien zu sich genommen: nur mindestens drei Liter Wasser und ungesüßte Kräutertees.

Mediziner warnen vor solch radikalen Kuren bei kranken Personen. 75% der Gewichtsabnahme gehen auf den Wasserverlust zurück. Bei Wasserverlust wird Kalium ausgeschieden. Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bei Kaliummangel sind keine Seltenheit. Veränderungen des Stoffwechsels führen dazu, dass die Nieren weniger Harnsäure ausscheiden. Gallensteine nach Nulldiäten werden begünstigt. Harnsäure kristallisiert im Körper und führt zu Gichtanfällen nach Nulldiäten. Also: Nulldiäten besser unter ärztlicher Aufsicht, besser noch in einer Kurklinik.

Helmut Bundschuh

Nulldiät bei Herzerkrankung?

Nulldiät nur unter ärztlicher Kontrolle

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Herzkranke Diäten nur unter ärztlicher Kontrolle durchführen sollten. Es gibt verschiedene Formen der Nulldiät: Beim Heilfasten gibt es nur Wasser, Säfte, Kräutertees und Brühe, bei Formula-Diät mit Nährstoffen angereicherte Eiweißdrinks. Viele Menschen erleben nach einigen Tagen einen mentalen Kick. Die einen führen es auf die innere Reinigung zurück, die vorher mit Glaubersalzen durchgeführt wurde, andere empfinden den „Hungerstoffwechsel“, der nach einigen Tagen einsetzt, als erleichternd. Schließlich ist eine Ursache des Übergewichts die mangelnde Selbstkontrolle beim Essen. Und die wird beim Fasten vermieden.

Der Organismus schaltet auf Hunger

Der Organismus schaltet nach wenigen Tagen Nulldiät auf Hungerstoffwechsel. In den ersten 24 Stunden werden die Kohlehydratreserven aufgebraucht, danach verarbeitet die Leber erst die Eiweißreserven, danach die Fettreserven, um den Organismus mit Glukose zu versorgen. Um Energie zu sparen, sinkt der Blutdruck und die Herzfrequenz, die Körpertemperatur sinkt, eine Verlangsamung tritt ein. Der Grundumsatz an Energie sinkt.

Genau die Reduzierung des Grundumsatzes führt später zum berüchtigten Jojo-Effekt: Wer zehn Kilogramm abnimmt, verliert diese zuerst an Muskelmasse und der Körper verbraucht 400 Kalorien weniger. Isst man später wieder normal, nimmt man mehr Kalorien zu sich, als der Körper jetzt braucht. Darum sollte man beim Abnehmen Sport treiben. Diät und Bewegung gehören zusammen wie Henne und Ei.

Stopp bei Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Diäten sind oft Nervosität, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Muskelkrämpfe. Herzpatienten müssen vorsichtig sein: Bei Nulldiäten geht zunächst Wasser verloren, und damit wird auch Kalium ausgeschieden. Kalium ist der Muskelmotor der Herzmuskeln. Kaliummangel schädigt das Herz.

Helmut Bundschuh

Herzerkrankung und Entspannung

Von Entspannungsübungen profitieren

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Entspannungsübungen für Herzpatienten, davon kann fast jeder Patient  profitieren. Ihre Wirksamkeit ist gut untersucht und belegt.[1] Mit Hilfe der Entspannungsverfahren lernen Patienten, ihren Körper und Gedanken zu beeinflussen. Die Linderung der Beschwerden stärkt das Erleben von Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit. Stressauslöser können im Voraus erkannt werden.

Entspannung bei Belastung Schlafstörungen

Bei folgenden körperlichen und psychischen Erkrankungen können Entspannungsverfahren eingesetzt werden:

  1. Entspannung bei koronarer Herzerkrankung
  2. Entspannung bei akuten und chronischen Schmerzzuständen
  3. Entspannung bei Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen
  4. Entspannung bei Depression (leichte und mittelgradige Depression)
  5. Entspannung bei Angststörungen
  6. Entspannung bei Schlafstörungen
  7. Entspannung bei Migräne, Asthma bronchiale
  8. Entspannung bei Stress

Nicht angewandt werden Entspannungsübungen bei:

  1. Starken kognitiven Störungen
  2. Psychotische Störungen
  3. Fortgeschrittener Demenz
  4. Schwere depressive Episode
  5. Zwangsvorstellungen
  6. Hypochondrie[2]

Entspannung im Alltag

Wichtig ist, dass Entspannungsvefahren im Alltag transferiert werden. Bei Patienten, die nur während eines Kurses üben, bleiben die Verfahren wirkungslos. Ebenso problematisch ist, wenn ‚Entspannung nur mit Hilfe von Hilfsmitteln wie einer CD geübt werden.

Merkmale eines hilfreichen Entspannungsverfahrens ist, wenn es:

  1. Leicht erlernbar ist
  2. Zuverlässig und schnell zu einer Entspannung führt
  3. Es vom Patienten in möglichst vielen Alltagssituationen angewandt werden kann.[3]

[1] Vaitl u. Petermann: Entspannungsverfahren, das Praxishandbuch, 2004

[2] Köllner und Broda: Praktische Verzhaltensmedizin 2005

[3] Köllner und Broda: Praktische Verzhaltensmedizin 2005

Phasen der Trauerbewältigung

Trauer ist keine Krankheit

  1. Phase des Schocks, des Nicht-Wahrhaben-Wollens und der Verleugnung
    In der ersten Phase der Trauer wollen wir nicht wahrhaben, dass uns der Partner oder Freund für immer verlassen hat. Wir bewegen uns wie in Trance, fühlen uns wie in Watte gebettet und nehmen unsere Umwelt wie durch eine Glasscheibe wahr. Es sind die Symptome eines Schockzustandes. Der Trauernde streitet ab, dass der Partner verstorben ist oder dass er/sie von einer tödlichen Krankheit bedroht ist. Dieser Zustand tritt häufig bei schwerer Herzerkrankung oder Krebs auf. Der Therapeut gibt dem Trauernden Raum zur Trauer, verhält sich empathisch und vermittelt das Gefühl des Schutzes.
  2. Phase der der Kontrolle und der aufbrechenden Gefühle
    Die Schockphase dauert in der Regel einige Stunden. Dann folgt die Phase intensiver Emotionen. Alle Gefühle können auftreten: Niedergeschlagenheit, Angst, Wut oder Neid. Eine meiner Klientinnen hatte ihr Kind verloren und empfand Neid allen anderen gegenüber, die Kinder hatten. Eine Klientin aus der Paartherapie sagte, dass sie nach ihrer ersten Scheidung Wut gegen jeden spürte. Hilflos fühlte sich ein Kollege, nachdem er seine Partnerin bei einem Verkehrsunfall verloren hatte. Wichtig ist, dass Niedergeschlagenheit nicht in dauerhafte Depression mündet.

Auswirkungen der Gefühlsschwankungen

Wir leiden unter Gefühlsschwankungen, gelegentlich unter Kontrollverlusten. Manche schlingen wahllos Essen in sich hinein, andere essen gar nichts mehr.

In der zweiten Phase der Trauer werden verschiedene Emotionen sehr intensiv erlebt. Nicht nur Niedergeschlagenheit und Angst können eine Rolle spielen, auch Wut kann auftreten. Die Wut kann sich in diesem Abschnitt der 5 Stufen gegen alle richten, die nicht betroffen sind. Bei Scheidungen kann das etwa bedeuten, dass der Betroffene Neid gegen (aus seiner Sicht) glückliche Paare empfindet.

3. Phase der langsamen Neuorientierung
So langsam beginnen wir wieder, uns nach außen zu orientieren. Wir können uns zeitweise wieder konzentrieren, auch mal an etwas erfreuen. Trauer und Hadern lassen langsam nach und sind nicht mehr so intensiv. Jedoch haben wir noch starke Stimmungsschwankungen. Unser Körper gelangt langsam wieder zu seinem normalen Rhythmus.

Neues Gleichgewicht finden

4. Phase des neuen Gleichgewichts
Wir sind zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt. Es erfüllt uns bisweilen immer noch mit Wehmut, an die Vergangenheit zu denken, doch wir sehen vertrauensvoll in die Zukunft. Wir werden den verstorbenen Menschen nie ersetzen und vergessen können, aber lenken unseren Blick auf das, was wir jetzt im Leben noch haben können. Wir haben uns eine neue Lebensaufgabe gesucht und uns neue Fähigkeiten zugelegt, die Alltagsaufgaben zu bewältigen.

Helmut Bundschuh

Systemische Paarberatung nach Arnold Retzer 5

Folge 5: Wertschätzung und Verträge

Vorgehen und Interventionsschritte bei Systemisch- Intergrativer Paartherapie

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

In seinem Standardwerk „Systemische Paartherapie“ für systemich- integretive Paartherapie schlägt Arnold Retzer[1] ein Modell von mehreren Interventionsschritten vor, das ich in einer Reihe von Artikeln vorstellen möchte. Hier wird die Kommunikation des Paares unter die Lupe genommen und versucht, zerstörende Kommunikation aufzudecken.

  1. „Vertrag“ des Paares über eine Verhaltensänderung, über die Beobachtung von Verhalten oder über ein „Nichtverändern“.

Prozessverantwortung für das Paar, Autonomie

Es versteht sich von selbst, dass hier wiederum Neutralität des Therapeuten gefragt ist. Aber es empfiehlt sich sogar im Hinblick auf die Ambivalenz zwischen Verharren und Veränderung die Entscheidung des Paares „zu prüfen“: Manchmal ist es gut, eine Veränderungsbereitschaft nochmals auf ein paar skeptische Fragen treffen zu lassen (Ist die Zeit für eine Veränderung schon reif?). Umgekehrt kann man Äußerungen des Verharrens durchaus mit Fragen oder Einstreuungen versehen, dass eine Entscheidung für Veränderung möglich ist.

  1. Wertschätzung: Das Paar soll eingeladen werden, sich selbst zu verstärken für den Prozess.

Die Ressourcenaktivierung und Beziehungsgestaltung darf nicht vergessen werden.

Dieser Prozess ist schwierig und fordert das Paar sehr. Viele Paare schaffen es auch erst einmal nicht, sich auf diesen Veränderungsprozess einzulassen, manche schaffen es gar nicht. Umgekehrt bedeutet das: Wenn es dem Paar gelingt, dann sollte dies eine entsprechende Würdigung erfahren. Dies geschieht am elegantesten in einer Einladung zur Selbstbestätigung: „Vielleicht möchten Sie sich selbst Wertschätzung dafür aussprechen, dass ihnen dieser Prozess jetzt auf diese Weise gelungen ist.“ Natürlich kann man auch direkt ein Kompliment machen, aber im systemischen Arbeiten wird die erste Variante bevorzugt. Eine schöne Variante ist auch die Frage an beide: „Wie denken Sie jetzt über sich als Paar? Was sagt es über sie als Paar aus, dass ihnen das jetzt auf diese Weise gelungen ist?“

[1] Arnold Retzer: Systemische Paartherapie, Klett-Cotta, 4. Auflage, Stuttgart 2011

Systemische Paarberatung nach Arnold Retzer 4

Folge 4: Reflexion und Klärung des neuen Gefühls

Vorgehen und Interventionsschritte bei Systemisch- Intergrativer Paartherapie

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

 

In seinem Standardwerk „Systemische Paartherapie“ für systemich- integretive Paartherapie schlägt Arnold Retzer[1] ein Modell von mehreren Interventionsschritten vor, das ich in einer Reihe von Artikeln vorstellen möchte. Hier wird die Kommunikation des Paares unter die Lupe genommen und versucht, zerstörende Kommunikation aufzudecken.

  1. Erneute „Klärung“ des „neuen Gefühls“, das sich in der anderen Kommunikation ergeben hat.

Ressourcenaktivierung und „verankern“ der Bewältigungserfahrung.

Wird eine positive Veränderung spürbar, so kann dieser ressourcenorientierte Klärungsprozess durchaus beherzter ablaufen, als der problemorientierte. Die Idee der relativen Tiefe gilt aber auch hier: Entscheidend ist, dass das Paar der Veränderung wirklich eine Bedeutung gibt, sich diese vergegenwärtigt und den „echten Unterschied“ auch erspürt. Im Hinblick auf eine Lösung ist dieser Schritt mindestens so wichtig wie die Klärung der problemdeterminierenden Schemata. Die Klienten sollen sich bewusst machen, welchen Unterschied sie erleben. Was fühlen Sie jetzt? Was denken Sie jetzt?

  1. Reflexion: Unverzichtbar ist dann die Reflexion der Partner darüber, was sie beobachtet haben, was anders war und wie sie das geschafft haben.

Alltagstransfer herstellen, Verantwortung für den Prozess an das Paar übergeben (die wirklichen Veränderungen passieren zwischen den Sitzungen), die Entscheidung für eine Veränderung (was immer ein kognitiver Vorgang ist) wird erleichtert durch eine kognitive Repräsentation des Vorgangs.

Die Reflexion hat zwei Teile: Wenn eine Veränderung gelungen ist, dann stellt das einen „unique outcome“ dar, man könnte auch sagen eine Ausnahme. Die Bedeutung dessen ist den Klienten oftmals nicht bewusst. Der Therapeut sollte also aktiv erfragen, was das jetzt aussagt über die Partner, über die Beziehung, über ihre Kommunikation, dass diese Veränderung so möglich war. Der zweite Teil ist eine kognitive Reflexion des Prozesses: Was war anders? Was haben wir anders gemacht. Das Ziel ist dabei, durch eine zusätzliche kognitive Verankerung des Gelernten einen besseren „Impact“ zu erreichen. Es sollte auch besprochen werden, wie ein Alltagstransfer dieser Erfahrung aussehen könnte und wie die Partner erreichen könnten, dass sie „im Eifer des Gefechts“ an dieses Ereignis und seine Bedeutung denken.

[1] Arnold Retzer: Systemische Paartherapie, Klett-Cotta, 4. Auflage, Stuttgart 2011