Systemische Paarberatung nach Arnold Retzer 3

Folge 3: Bewältigungserfahrung

Vorgehen und Interventionsschritte bei Systemisch- Intergrativer Paartherapie

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

In seinem Standardwerk „Systemische Paartherapie“ für systemich- integretive Paartherapie schlägt Arnold Retzer[1] ein Modell von mehreren Interventionsschritten vor, das ich in einer Reihe von Artikeln vorstellen möchte. Hier wird die Kommunikation des Paares unter die Lupe genommen und versucht, zerstörende Kommunikation aufzudecken.

6. Bewältigungserfahrung schaffen: Je nachdem, was die Klärung ergibt, schafft der Therapeut die Möglichkeit, anders darüber zu reden. Es werden keine Regeln erläutert, sondern es wird eine Erfahrung ermöglicht. Hier sollten unbedingt Ressourcen aufgenommen werden, die die Klienten zeigen. Nochmal anders gesagt: Es geht hier nicht um eine Lösung von Konflikten, sondern darum, anders als bisher über Probleme und Konflikte zu sprechen. Besonders kommen hier die Techniken der „direkten Ansprache“, der VW-Regel, des „Ich-Gebrauchs“, des „Konkretisierens“ und des „Paraphrasierens und Zusammenfassens“ zum Zug. Auch das „Entschleunigen“ ist eine wichtige Intervention.

Das Ziel des Kommunikationstrainings ist es zum einen, die Bewusstheit der Partner für ihre Kommunikation zu stärken. Zum anderen soll eine alternative Kommunikation erfahren werden (und nicht nur theoretisch besprochen). Das Paar soll diese alternative Kommunikation als echten Unterschied erleben; die Partner sollen erfahren, wie die andere Art der Interaktion ihre Beziehung, ihr Selbstbild und ihre Fähigkeit zur Problemlösung stärkt. Der Königsweg ist hier die Suche nach Ausnahmen, denn diese vermitteln: wir können es anders! Der Therapeut kann aber auch auf anderen Wegen die Ressourcen des Paares anzapfen, indem er z.B. fragt, was die Partner einem anderen Paar an dieser Stelle raten würden. Und schließlich kann er in Form von Übungen und Experimenten, in Form moderierter Dialoge eine Bewältigungserfahrung schaffen.

Häufig ist schon der vorangegangene Klärungsprozess eine Bewältigungserfahrung. Hier wird, im Sinne Schulz v. Thuns19, die Seite der Selbstoffenbarung in der Kommunikation wieder lebendig, die meist im Konflikt eher einer starken Zensur unterworfen ist. Hier gilt es außerdem besonders der Aspekt der Neutralität und der Veränderungsverantwortung zu reflektieren. Was eine Bewältigung ist, entscheiden die Partner. Und ich würde zwar dafür plädieren, dass man sich als Therapeut durchaus um eine Bewältigungserfahrung bemüht. Gleichzeitig bleibt die Entscheidung, ob Veränderung möglich ist und passieren soll, im Hoheitsgebiet der Klienten. Der Therapeut kann sich immer wieder folgende Reflexionsfrage stellen: Ist die Verantwortung für den Prozess geteilt? Oder arbeite gerade nur ich für eine Lösung? Klienten, die sich mühen, sollte man im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen. Klienten die stehen bleiben oder zurückgehen, werden dafür gute Gründe haben, wir sollten aber nichtanfangen, sie zu tragen.

[1] Arnold Retzer: Systemische Paartherapie, Klett-Cotta, 4. Auflage, Stuttgart 2011

Systemische Paarberatung nach Arnold Retzer 2

Folge 2: Auftragsklärung

Vorgehen und Interventionsschritte bei Systemisch- Intergrativer Paartherapie

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

In seinem Standardwerk „Systemische Paartherapie“ für systemich- integrative Paartherapie schlägt Arnold Retzer[1] ein Modell von mehreren Interventionsschritten vor, das ich in einer Reihe von Artikeln vorstellen möchte. Hier wird die Kommunikation des Paares unter die Lupe genommen und versucht, zerstörende Kommunikation aufzudecken.

  1. Auftrag abholen: „Wären Sie interessiert daran, dass wir uns das mal anschauen, was da bei ihnen passiert und wie das auf Sie beide wirkt?“
  2. Klären:

Ist-Zustand der Gefühle, Bedürfnisse und Konzepte (Erwartungen, Glaubenssätze usw.) klären (unbedingt bei beiden Partnern), bezogen auf das „Hier-und-Jetzt“ (nicht auf die Situation zu Hause!).   Ein anderer wichtiger Aspekt der Klärung ist die Frage, was die gegenwärtige Art der Kommunikation für eine Bedeutung für die Beziehung hat.

Im Sinne der Idee, dass zwischen Reiz und Reaktion die Freiheit liege (Frankl), versucht der Therapeut hier die Determinanten des Erlebens und Handelns beider Partner zu klären. Dabei erhalten die Partner viele neue Informationen, da sie die Frage nach Bedürfnissen und Konzepten so meist nicht stellen. Mit neuen Informationen werden neue Möglichkeiten der Lösung sichtbar. Die beteiligten exekutiven Schemata werden geklärt, in einen kognitiven Modus übersetzt und dadurch bearbeitbar. Außerdem bietet der Therapeut hier ein Modell an: Wechsel von der Inhalts- auf die Beziehungsebene.

Exkurs zum Thema „Klärungsprozesse in der Paartherapie“

Klärungsprozesse brauchen Zeit und Konzentration. Klienten müssen für diese Prozesse über längere Zeit eine internale Perspektive einnehmen, müssen motiviert sein für die Klärung und sie benötigen Schutz. Diese Aspekte werfen allesamt in einer Paartherapie Probleme auf. Ich kann hier nicht von einem Partner zum anderen springen, denn das würde den Klärungsprozess immer wieder unterbrechen. So bekommt aber ein Partner sehr viel Raum, was gerade zu Beginn der Therapie ein Problem sein kann. Dann widerspricht die internale Perspektive ja oft dem, was wir vermitteln wollen: Es ist ein zirkuläres Geschehen. Und an Schutz mangelt es oft erheblich. Selbst wenn wir in der Sitzung „die Partner im Griff haben“, wissen wir nicht, was sie zu Hause tun. Aber können wir es uns leisten, auf diesen Wirkfaktor zu verzichten? Besteht dann nicht die Gefahr, dass wir mit Pseudoklärungen gemeinsam mit dem Paar dahinintellektualisieren und Etiketten kleben? Ich plädiere anhand dieses Dilemmas für das, was ich eine „relative Tiefe des Klärungsprozesses“ nennen möchte. Vor allem im Kommunikationstraining zu Beginn der Therapie müssen wir uns nicht auferlegen, zum „Kern“ vorzustoßen. Leitend kann vielmehr der Gedanke sein, im Klärungsprozess Informationen für die Klienten zu generieren, die einen echten Unterschied machen. Und das kann eben relativ gesehen werden: Den Begriff Angst bezeichnet man zurecht als Etikett, weil er genaugenommen wenig sagt. Aber es kann durchaus sein, dass die Benennung von Angst relativ gesehen in dieser Paarkommunikation einen echten Unterschied macht. Und dieser echte Unterschied, wenn er in seiner Bedeutung gewürdigt und erkannt wird, ermöglicht andere Verhaltensweisen als bisher. Ob eine Information einen echten Unterschied macht, lässt sich relativ gut an der Stimmung und den Emotionen der Partner, aber auch an ihrem Kommunikationsverhalten erahnen. Und wo bei dem einen Paar die Benennung eines Gefühls einen echten Unterschied machen kann, da wird bei dem nächsten vielleicht erst das Klären der Bedürfnisse, welche als bedroht erlebt werden, einen Unterschied machen, also die Frage: Was genau ruft Angst hervor? Bei dieser „Klärung bis zur relativen Tiefe“ und der Entstehung eines „echten Unterschiedes“ wenden wir dieselben Techniken an, wie sie in Klärungsprozessen für die Einzeltherapie beschrieben wurden. Allerdings anders also dort, nicht unbedingt mit dem Ziel, den zentralen Aspekt zu klären. Dies kann zu einem späteren Zeitpunkt der Therapie geschehen oder auch in einer Einzeltherapie.

Kurze Darstellung therapeutischer Klärungsprozesse: Bei Klärungsprozessen ist Stringenz wichtig, also dran zu bleiben. Die Erlaubnis zur Beharrlichkeit erwächst wiederum aus unserer Prozessverantwortung einerseits und andererseits aus der Auftragsklärung. Es ist sehr wichtig, dass beide Partner, wenn Sie sich öffnen, ausreichend Schutz erfahren. Das bedeutet, man sollte Klärungsprozesse (bezüglich der Innenwelt beider Partner) nur dann einleiten, wenn die Gefahr nicht allzu groß ist, dass die Partner die Offenheit des Anderen missbrauchen. Im Prozess bewegt sich der Therapeut zwischen den Polen „Schutz geben“ einerseits und dem Risiko des sich Verbündens andererseits. Dies gelingt durch eine beherzt-wohlwollende Strukturierung (vor allem auch nonverbal) und durch Transparenz (Ich möchte jetzt für einen Moment mit Ihrer Frau etwas näher anschauen, was da bei ihr passiert. Anschließend bin ich sehr interessiert daran zu erfahren, welche Gedanken Sie sich dazu machen. Ist das ok?). In jedem Fall ist darauf zu achten, nicht in eine Retter-Position zu gehen.

[1] Arnold Retzer: Systemische Paartherapie, Klett-Cotta, 4. Auflage, Stuttgart 2011

Systemische Paarberatung nach Arnold Retzer

Filge 1: Markierung und Relevanz

Vorgehen und Interventionsschritte bei systemisch intergrativer Paarberatung

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

In seinem Standardwerk „Systemische Paartherapie“ für systemich integrative Paartherapie schlägt Arnold Retzer[1] ein Modell von mehreren Interventionsschritten vor, das ich in einer Reihe von Artikeln vorstellen möchte. Hier wird die Kommunikation des Paares unter die Lupe genommen und versucht, zerstörende Kommunikation aufzudecken.

Nicht immer ist es möglich, in der Paartherapie nach diesem Modell vorzugehen, besonders wenn das Hauptproblem des Paares an einer rigiden Persönlichkeitsstruktur eines Partners liegt. Oft gepaart mit Unzufriedenheit und Kontrollzwang. Trotzdem komme ich in meiner Paarberatung immer wieder auf dieses Modell von Arnold Retzer zurück. In der Praxis komme ich immer wieder auf Retzers Modell zurück, nicht immer ist die Reihenfolge einzuhalten:

  1. Markieren: Der Paarberater macht einen deutlichen Einschnitt: „Ich möchte Sie bitten, dass wir das Thema für einen Moment zur Seite stellen. Ich habe den Eindruck, dass zwischen ihnen jetzt etwas ganz wesentliches passiert. Vielleicht sollten wir nicht einfach drüber hinweggehen.“ Das ist ein Wechsel von der Inhalts- auf die Beziehungsebene, ein Wechsel zum „Hier-und Jetzt“. Es soll Transparenz geschaffen werden. Dieser Vorgang mag auf den ersten Blick wie ein Aufgeben der Neutralität erscheinen. Aber es ist ein Aspekt der Prozess-Verantwortung, dysfunktionale Kommunikation anzusprechen. Die Neutralität liegt im Angebot formuliert.
  2. Beschreiben des Musters: Möglichst klare und kurze Beschreibung des Sichtbaren (formuliert als Eindruck!) oder das Herausarbeiten des Musters durch Fragen. Hier kann auch eine Impact-Technik eingesetzt werden, dann erfolgt die Markierung erst nach der Impact-Technik. Der Aufmerksamkeitsfokus des Paares wird vom präsentierten Problem weg zum Erleben ihrer Beziehung verändert. Eine kognitive Repräsentation des Kommunikationsproblems. Distanzierung vom Problem (durch Beschreiben) hilft dabei, die Eskalation zu beenden. Validierung der Hypothese durch den Paarberater. Hier bieten sich vor allem zirkuläre Hypothesen an. Gelingt es nicht, eine solche Zirkularität zu beschreiben, sollte hier auf „Allparteilichkeit“ geachtet werden. Beide Partner sollten in der Beschreibung gleichgewichtet vorhanden sein. Das Herausarbeiten durch Fragen ist schwierig und manchmal eine Einladung zu weiterer Eskalation. Werden hier Konfrontationen vorgenommen, so sollte explizit Bezug genommen werden auf Bedürfnisse, die mit dem problematischen Verhalten verbunden sind (Sie haben sicher einen guten Grund!). Auch Gegenübertragungen können hier benannt werden (z.B. Spannung, Unruhe, Wut…).
  3. Relevanz erfragen: Sehen die Partner das auch so und kennen sie das? Ist Ihnen dieses „Muster“ bekannt. Auftragsklärung, Schaffen von Transparenz. Weiteres Fördern einer Metaposition. Oft fällt es Paaren schwer, das Thema loszulassen. Auch deshalb, aber auch im Sinne der Transparenz und der Selbstverantwortung, sollen die Partner entscheiden, ob ihr gegenwärtiges Erleben und die gezeigte Interaktion relevant sind oder nicht und ob sie daran jetzt arbeiten wollen. Verneinen sie das, empfiehlt sich allerdings durchaus zu verhandeln (im Sinne der Zwickmühlen nach G. Schmidt). Leitend ist dabei die Frage: Können wir so gut an den Themen arbeiten?

Fortsetzung…

[1] Arnold Retzer: Systemische Paartherapie, Klett-Kotta, 4. Auflage, Stuttgart 2011

Hypnose bei Schlafstörungen

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Eine unruhige Nacht kann viele Ursachen haben: Kaffee, Stress, Schmerzen oder Sorgen. Oft hilft es, den Auslöser genau zu betrachten. Hypnose kann helfen, bestimmte Probleme im Kern anzugehen. Ungünstige Verhaltensweisen wie Sport am Abend, spätes Essen oder Fernsehen im Bett können schon im Vorgespräch leicht herausgefunden werden und mit Hypnose gut bekämpft werden. Viele seelische Belastungen, die Stress auslösen, können ebenfalls gut mit Hypnose behandelt werden. Auch bei Schmerzen kann Hypnose helfen.

Bestimmte Medikamente können Schlafstörungen hervorrufen. Wer über längere Zeit Schlafmittel und Benzodiazepine gegen Angst, Medikamente gegen Depression, Mittel gegen Herz-Kreislauf Erkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Sodbrennen, rheumatische Leiden, Arthritis oder gegen Schmerzsyndrome einnimmt, kann unter Umständen mit Einschlaf- oder Durchschlafstörungen rechnen. Setzen Sie keinesfalls vom Arzt verordnete Medikamente ab. Im Falle einer körperlichen Ursache sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Depression im Alter

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Wussten Sie, dass die meisten Depressionen im Alter ab 65 Jahre auftreten? Sie sind besonders schwer zu erkennen, denn im Gegensatz zu Depressionen bei jüngeren Menschen stehen im Alter oft psychosomatische oder rein körperliche und unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm Probleme oder Schwindelanfälle im Vordergrund.

Die eigentlichen Symptome der Depression, Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit oder das Gefühl nichts mehr wert zu sein treten in den Hintergrund und werden nicht erkannt. Familienangehörige halten diese Anzeichen der Depression für normale Alterserscheinungen.

Woher kommen ausgerechnet im Alter diese Beschwerden. Depression im Alter ist häufig eine Reaktion auf Verluste, die mit dem Alter zu tun haben.

○             Die Zunahme körperlicher Beschwerden wie Herz-Kreislauf Probleme, rheumatische Beschwerden und Arthrose erzeugen großen Leidensdruck und führen zu Schlafstörungen.

○             Berentung kann bedeuten, den sozialen Status zu verlieren. Viele Rentner erleben das als Verlust des Selbstwertgefühls. Sie meinen, keinen Einfluss darauf zu haben und halten sich für nicht mehr „Selbstwirksam“. Das kann die Keimzelle der Depression sein.

○             Auch auf den Verlust des Partners durch Tod hat man keinen Einfluss. Er muss hingenommen werden. Sind durch die Berentung soziale Kontakte verloren gegangen, gibt es kein Auffangbecken mehr. Es kommt zur Vereinsamung.

○             Einsamkeit ist eines der größten Probleme beim Älterwerden. Die Betroffenen kommen ins Grübeln, halten sich für wertlos, leiden unter Freudlosigkeit, verlieren die „Lust“ zu Leben und denken immer öfter den Tod nach.

○             Mangelnde Bestätigung und der Wegfall von Anerkennung, Attribute, die man sich im Beruf „erarbeitete“ und das Familiensystem zusammen hielten, fallen jetzt weg.

○             Dazu kommen das Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit und die Einschränkung des Kurzzeitgedächtnisses. Was bleibt, sind die Erinnerungen des eigenen Lebens. Alte Menschen beschreiben das als „Verlassenheitsgefühl im Raum der eigenen Vergangenheit“.

Den meisten Menschen fehlen angemessene Bewältigungsstrategien für Veränderungen und Einschränkungen, die mit dem Alter zu tun haben. Wann hätte man sie auch lernen sollen? Deshalb fühlen sich viele als Opfer, fallen in Selbstmitleid und verlieren die Initiative, um Veränderungen zu schaffen. Der Wegfall der Kontrolle über das eigene Leben führt zu Ängsten: Die Angst zu verarmen, Sorgen um den Erhalt der Gesundheit und ein Pflegefall zu werden, die Befürchtung, auf andere angewiesen zu sein und dass keiner für einen da sein wird.

In meiner Praxis für Psychotherapie im Heilzentrum Bogenhausen habe ich mich neben Herzerkrankungen auf Depressionen im Alter konzentriert und schlage meinen Klient/innen ein umfangreiches soziales Programm vor, bevor es in die spezifische Therapie der Depression geht. Die Pflege und der Aufbau neuer sozialer Beziehungen mit unterschiedlichem Profil steht im Vordergrund. Je nach Hobbies und Interessen gibt es Kontakte zu Initiativen und Gruppen, die zu regelmäßigen Treffen einladen. Ähnlich wie bei meiner Herz-Nachsorge-Gruppe schlage ich regelmäßige sportliche Betätigung vor. Auch hier bieten verschiedene Gruppen Walken, Schwimmen oder Radfahren an.

Bei psychotherapeutische Betreuung älterer Menschen schlage ich in einigen Fällen vor, die Angehörigen hinzu zu ziehen.

Die fünf Säulen der Resilienz

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Manche Menschen verfügen über eine innere Kraft, die sie auch in schwierigsten Situationen aufrecht hält. Die Psychologie behandelte das Thema, woher diese mentale Widerstandskraft kommt, lange stiefmütterlich. Bis zum ICE Unglück 1998 in Eschede, wo über 100 Passagiere ums Leben kamen und fast genauso viele schwer verletzt wurden.

Bis dahin beschränkte sich die psychologische Unterstützung Verletzter und ihrer Angehörigen zumeist auf Seelsorger, die die häufig überfordert waren. Bis Psychologen genauer hinsahen und feststellten, dass es zwei Gruppen gab: Einige waren schwer traumatisiert, andere steckten das Erlebnis relativ schnell weg. Es stellte sich die Frage, welche Faktoren für diese Widerstandskraft, die wir Resilienz nennen, verantwortlich sind. Man fand heraus, dass diese Widerstandskraft zum Teil angeborenen ist und zu den persönlichen Charaktereigenschaften gehört, ein anderer Teil wird im Laufe des Lebens erlernt, vor allem in der Kindheit. Fünf Säulen der Resilienz wurden gefunden:

Selbstvertrauen und Optimismus

Resiliente Menschen verfügen über ein gesundes Selbstvertrauen und eine positive Lebenseinstellung. In ihrer Kindheit erfuhren sie Lob und Aufwertungen, sie erlebten keine Herabwürdigungen oder ihnen wurde beigebracht, wie sie Niederlagen verarbeiten können. So entwickelten sie Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Als Erwachsene machen sie sich bewusst, wie sie früher schwierige Situationen bewältigt haben.

Lösungsorientiertes Denken

Mit Selbstvorwürfen halten sich Widerstandsfähige Personen nicht lange auf, sie sind Lösungsorientiert. Sie sind in der Lage, ihre Aufmerksamkeit auf das Problem zu fokussieren und sich zu konzentrieren. Lösungsorientierte Menschen ist die Schuldfrage weniger wichtig, vielmehr machen sie sich Gedanken über ihre Handlungsmöglichkeiten.

Akzeptanz der Umstände

Wichtig ist, in Krisen handlungsfähig zu bleiben. Wer jammert und sich destruktiven Gedanken hingibt, verschwendet Energie und verschwindet in einem depressiven Loch. Wer sich bewusst ist, dass wir das Schicksal nicht in allen Teilen beeinflussen können lernt schnell, die problematische Situation zunächst zu akzeptieren. Es ist so wie es ist. Denn wer schnell aus dem Loch der Handlungsblockade herauskommt und nicht lange Grübelt, gewinnt wieder Handlungsfähigkeit und Kontrolle.

Selbstbestimmtheit

Jammern und Schimpfen kann entlastend wirken, hilft aber nicht immer weiter. Opfertypen brauchen eine „Klagemauer“ – sie haben das Selbstbild: „Das schaffe ich nie“. Sie klagen über die Umstände und andere Menschen. Im Grunde wollen sie, dass jemand anders das Problem löst. Wer bereit ist, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen hat auch die Kontrolle, schwierige Situationen zu verändern. Wer Verantwortung übernimmt, hat Gestaltungshoheit über sich selbst und bleibt aktiv.

Soziale Vernetzung

In Krisen kann Unterstützung durch andere Menschen wichtig sein. Wer mit Freunden oder Kollegen über seine Probleme reden kann, entlastet sich und kann das Problem aus einer anderen Perspektive beleuchten. In einem guten sozialen Netzwerk kann man auch um aktive Hilfe bitten.

Weg der kleinen Schritte

Fantastische und ferne Ziele neigen oft zu platzen. Besser ist, sich ein vernünftiges, erreichbares Ziel zu setzen und es in kleine Schritte aufzuteilen. Das schafft kleine Erfolgserlebnisse, die in der Summe schnell ein großes Polster werden können. Das schafft ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Im Blick zurück stellt man fest, dass man wieder Kontrolle erlangt hat.