Hypnose bei Schlafstörungen

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Eine unruhige Nacht kann viele Ursachen haben: Kaffee, Stress, Schmerzen oder Sorgen. Oft hilft es, den Auslöser genau zu betrachten. Hypnose kann helfen, bestimmte Probleme im Kern anzugehen. Ungünstige Verhaltensweisen wie Sport am Abend, spätes Essen oder Fernsehen im Bett können schon im Vorgespräch leicht herausgefunden werden und mit Hypnose gut bekämpft werden. Viele seelische Belastungen, die Stress auslösen, können ebenfalls gut mit Hypnose behandelt werden. Auch bei Schmerzen kann Hypnose helfen.

Bestimmte Medikamente können Schlafstörungen hervorrufen. Wer über längere Zeit Schlafmittel und Benzodiazepine gegen Angst, Medikamente gegen Depression, Mittel gegen Herz-Kreislauf Erkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Sodbrennen, rheumatische Leiden, Arthritis oder gegen Schmerzsyndrome einnimmt, kann unter Umständen mit Einschlaf- oder Durchschlafstörungen rechnen. Setzen Sie keinesfalls vom Arzt verordnete Medikamente ab. Im Falle einer körperlichen Ursache sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Hypnose – von Mesmer bis Milton Erickson

Ein Beitrag von Kaspar Politzki

Psychotherapie Heilzentrum Bogenhausen

In die neuzeitliche Psychotherapie fand Hypnose durch Sigmund Freud Einzug. „In der Absicht, meine hypnotische Technik zu vervollkommnen, reiste ich im Sommer 1889 nach Nancy, wo ich mehrere Wochen zubrachte. (…)und wurde Zeuge der erstaunlichsten Experimente Bernheims an seinen Spitalspatientinnen und holte mir die stärksten Eindrücke von der Möglichkeit mächtiger seelischer Vorgänge, die doch dem Bewusstsein des Menschen verhüllt bleiben.“ [1] Freud hatte Vorläufer und Wegbegleiter, doch weder Sigmund Freud noch Wilhelm Reich, die beiden zeitgenössischen Psychoanalytiker, bezogen sich auf Franz Anton Mesmer, den neuzeitlichen Wiederbegründer der Hypnose. Der beschrieb erste Heilerfolge durch Hypnose gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Freud war, 200 Jahre später, sozusagen der Gegenpol zu Mesmer. „Franz Anton Mesmer sei eine Gestalt der ausklingen Aufklärung, ( … ) Er stehe zwischen Vernunft und Gefühl, Metaphysik und Physik, System und Detail…“.[2] Während Mesmers Zeitgenossen Hypnose als religiöse Jenseitserfahrung und eine Erscheinungsform eines höheren Daseins begriffen[3], taucht 1857 in der Spätromantik durch Carl Gustav Carus erstmals der Gedanke auf, Hypnose sei Ausdruck eines unbewussten Seelenlebens.[4] Die Abkehr vom Mesmerismus begann gleichsam mit dem Beginn der Psychoanalyse durch James Braid. Der englische Augenarzt wohne 1845 einer Hypnosevorführung bei und bemerkte das Vibrieren und Zwinkern der Augenlider. Obwohl er der Vorführung skeptisch gegenüber gestanden hatte nahm er an, dass dieses Augenflattern nicht simuliert werden konnte. In der Folgezeit experimentierte Braid mit Suggestionen und führte den Begriff Hypnose ein. Nachahmer stellten fest, dass „… man unter Hypnose nur mit geringen Schmerzen und vor allem ohne die sonstige übliche Schockwirkung chirurgische Eingriffe vornehmen könne.“[5]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Hypnose Vorstellungen von Schaubuden-Professoren zur Belustigung des Publikums durchgeführt. H.M. Bernheim und A.A. Liebeault entwickelten Braids Ansätze dennoch weiter und behandelten im Laufe ihres Wirkens in Nancy über 12 000 Patienten.[6] Dort traf Sigmund Freud 1899 auf Bernheim. Freud war von Hypnose als Werkzeug der Psychotherapie überzeugt und wendete diese in Wien etwa 10 Jahre lang an. Dort wurde Hypnose von Freuds Konkurrenten in die Nähe der Schaubuden gerückt und galt als unseriös.

I.P. Pawlow postulierte in seiner Studie über bedingte Reflexe, die später die Verhaltenstherapie entscheidend beeinflussen sollte, dass Suggestion zur Hypnose führen würde. Diesem Konzept folgt die angewandte Psycholo0gie noch heute. Zum ersten Mal in der Geschichte der Psychoanalyse behandelte der Wiener Arzt Josef Breuer eine Patientin mithilfe von Hypnose und begünstigte damit die Entwicklung der klassischen Psychoanalyse von Sigmund Freud.[7]

Hypnose ist ohne Autogenes Training (AT) kaum vorstellbar. Entwickelt wurde Autogenes Training im Zuge der Grundlagenforschung für Hypnose vom Frankfurter Arzt J.H. Schulz, einem Altmeister der ärztlichen Hypnose. Er entwickelte außerdem die Methoden der praktischen Menschenführung und der Selbsthypnose.

Der Amerikaner Milton Erickson ist bis jetzt vorerst der letzte Meister der therapeutischen Hypnose. Angeblich hat er über 30 000 Patienten behandelt, über 150 wissenschaftliche Arbeiten publiziert und mehr als 10 Bücher geschrieben. Moderne Hypnosetechniken, besonders die antiautoritäre Suggestion, beruhen auf seiner Interpretation der Hypnose.

 

[1] Sigmund Freud: „Freud, Sigmund (1925d [1924]): Selbstdarstellung. GW XIV, 31-96“, S. Fischer, Frankfurt 1924, Seite 41, vgl.: http://www.psyalpha.net/themen/behandlungstechnik/exorzismus-hypnose/sigmund-freud-hypnose

[2] M. Blankenburg: F. A. Mesmer, „ Aufklärer und Citoyen“. In: H. Schott, „Franz Anton Mesmer und die Geschichte des Mesmerismus, Verlag Franz Steiner, Wiesbaden, 1985, Seiten 68 – 88.

[3] Vgl.: U. J. Jovanovic: „Methodik und Theorie der Hypnose“, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1988, Seite 84

[4] ebenda

[5] B. Gindes: „New Concepts of Hypnosis“, Julian Press, New York, 1977, Seiten 19/20

[6] Vgl.: U. J. Jovanovic: „Methodik und Theorie der Hypnose“, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1988, Seite 92

[7] L.R. Wolberg: „Medical Hypnosis, Vol.1.: The Principles of Hypnotherapy“, Grune & Stratton, New York, 1948a; vgl. Jovanovic, Seite 94

Hypnose, eine uralte Therapie

Publiziert am 19. November 2013 von Helmut Bundschuh anlässlich einer Charity Veranstaltung der Südafrikahilfe

Im Heilzentrum Bogenhausen in München arbeite ich unter anderem immer wieder mit therapeutischer Hypnose und treffe häufig auf Vorurteile wie: „Das sei Manipulation“ oder „Wer weiß, ob ich wieder aufwache!“. Zu einem nicht geringen Teil haben in letzter Zeit Beiträge in TV und Presse über Showhypnose beigetragen und ich hege den Verdacht, dass diese Showhypnose mit therapeutischer Hypnose verwechselt wird.

Es ist davon auszugehen, dass bei Showeinlagen mit Blitzhypnose schon vorher eine Auswahl an leicht zu hypnotisierenden Personen stattgefunden hat und die Probanden präpariert sind, also zuvor schon eine hypnotische Einleitung stattgefunden hat.

Kaum ein Showhypnotiseur wird es sich leisten, dass eine Blitzhypnose vor der Kamera nicht funktioniert, denn 10% der Bevölkerung gelten als nicht oder nur sehr schwer hypnotisierbar. Diese Personen haben einen Grund, warum sie sich schützen wollen und ich bin der Meinung, man sollte auch zu therapeutischen Zwecken von einer Hypnose absehen und andere Methoden wählen. Weitere 10% sind hoch suggestibel, das heißt, sie sind leicht hypnotisierbar. Dieser Personenkreis hat oftmals Erfahrungen mit autogenem Training oder Yoga. In einer Welt von Burnout und Stress sind sie die Spezialisten, die „Entschleunigung“ praktizieren. Die 80% dazwischen tendieren in die eine oder andere Richtung. Es ist die Aufgabe des Therapeuten herauszufinden, wie suggestibel ein Klient ist und wie ich mit ihm arbeiten kann.

Das hat Auswirkungen auf die Indikation, sprich die hypnotische Einleitung. Selbstverständlich ist auch eine Blitzhypnose technisch machbar, wird vom Klienten aber eher unangenehm oder irritierend empfunden. Die lange Einleitung, die bis zu 30 Minuten dauern kann, ist vom autogenen Training oder von der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson bekannt. Diese wird momentan in vielen Rehakliniken eingesetzt. Die allermeisten Patienten sind schnell tiefenentspannt und geraten in eine angenehm empfundene Trance. Die Zeit der langen Einleitung fehlt später bei der therapeutischen Wirkhypnose. Ich biete meinen Patienten gewöhnlich schon bei der zweiten oder dritten Hypnose eine schnellere Einleitung an. Zum Beispiel mit dem Pendel. So lässt sich mehr Zeit für die Wirkhypnose generieren.

Was ist Hypnose eigentlich? Hypnose ist ein Trancezustand, wie wir ihn etwa 40 Mal am Tag erleben. Sie sitzen am Schreibtisch und die Gedanken schweifen in die Ferne; oder in der Kantine redet Ihr Gegenüber auf Sie ein, mit den Gedanken sind Sie aber weit weg. Das ist schon eine leichte Trance. Schwieriger wird es beim Autofahren, wenn monoton Lichter und weiße Streifen auf Sie zukommen. Das kann schon eine tiefere Trance bewirken, die falsche Musik dazu, und Sie sind tiefentspannt und nicht mehr fahrtauglich. Trance gehört aus psychopathologischer Sicht offenbar zur Kultur des Menschen. Kultische Trancezustände wurden in fast allen Kulturen beschrieben, in Riten archaischer Religionen werden sie noch heute praktiziert.

Umso erstaunlicher sind in diesem Zusammenhang Vorurteile, da Hypnose offenbar seit vielen tausend Jahren praktiziert wird. In der Wüste bei Bagdad wurden vor über 150 Jahren die Tonscherben einer großen sumerischen Bibliothek gefunden, unter anderem auch Texte über Hypnose bei Schmerzen. Die klassizistischen Griechen nutzten Hypnose, ich denke an das Orakel von Delphie. Novizen in mittelalterlichen christlichen Klöstern gerieten in Trance durch Kontemplation, ähnlich wie es Zen-Buddhisten praktizieren.

Wie funktioniert Hypnose

von Helmut Bundschuh

Ist Hypnose ein Realitätsverlust? Eine Frage, die oft gestellt wird. KlientInnen erleben innere Bilder, erzeugt durch Suggestionen,  als Realität, auch wenn die Erfahrungen dagegen sprechen. Anscheinend laufen während der Hypnose Prozesse ab, die den Eindruck der Realität vermitteln. Allerdings glauben nur hochsuggestible  Personen, dass die projezierten Bilder real sind. Bei schwer hypnotisierbaren Personen findet nach der Hypnose eine Realitätskontrolle statt. Ich gehe davon aus, dass Suggestibilität einen Evolutionsvorteil darstellt, sonst hätte die Evolution sie wegselektiert. Hohe Suggestibilität wird regressiv vererbt. Selbstsuggestion könnte in der Frühzeit der Menschheit zur Schmerzbekämpfung genutzt worden sein. Möglicherweise handelt es sich um einen sozialselektiven Vorgang, der vor vielleicht 40 000 Jahren oder früher mit der Spiritualität (Schamanen in Urgesellschaften) begann und in die gesellschaftliche Umstrukturierung sozialer Gemeinschaften in die neolithischen Revolution vor 11 000 Jahren führte. Meditation könnte also von gesellschaftlichem Vorteil gewesen sein. Wenig suggestible Menschen scheinen einen Kompensationsweg gefunden zu haben, sonst wären sie ausgestorben. Aber wie funktioni9ert Hypnose? Hier einige Werkzeuge, die Hypnotherapeuten nutzen:

Die Unaufmerksamkeitsblindheit: Starke Aufmerksamkeit auf einen selektiven Reiz selegiert das Gehirn (=das Gehirn trifft eine Auswahl zwischen Handlungen, die in Konflikt stehen). Das Gehirn nimmt in diesem Zustand bestimmte Handlungen nicht bewusst wahr. Die meisten kennen das Phänomen: Wenn während eines spannenden Handball Spiels ein als Gorilla verkleideter  Mann durch das Bild läuft, wird dieser nicht wahrgenommen. Die Hypnose nutzt diesen blinden Fleck der Aufmerksamkeit. Diese Umkehrung der Erwartungshaltung könnte als Aufmerksamkeitsdistraktion (=langgezogene Fokussierung auf eine innere Handlung) bezeichnet werden. Negativereignisse, wie z.B. Schmerzen, können gezielt ausgeblendet werden. Die Hypnose verwendet dafür Verwirrtechniken.

Hypnose fokussiert Aufmerksamkeit: Hypnose reduziert das kritische Urteilsvermögen und hemmt die Genauigkeit der Bewertung. Schon der Augenschluss kann das Vigilanz- und Aufmerksamkeitszentrum hemmen. Die entsprechenden Verarbeitungszentren des Gehirns liegen nebeneinander.[1] Das Gehirn arbeitet ständig mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitssystemen gleichzeitig. Im Hippocampus werden diese verschiedenen Areale schließlich organisiert. Hier entscheidet sich, welche Wahrnehmungsinhalte im Gedächtnis „niedergelegt“ werden. Wir wissen heute, dass im Hippocampus unsere Gefühle „erzeugt“ werden. Es scheint, dass dieses „Organisationszentrum“ eng mit dem emotionalen Gedächtnis kooperiert, beide reorganisieren das autobiografische Gedächtnis. Das heißt: 1) Selektion des Bewusstseins, 2) Koppelung mit neu definierten, suggerierten Gefühlen und 3) Verankerung als neubewertete Biografie. Hohe Wirksamkeit zeigt die fokussierte Aufmerksamkeit bei Rauchentwöhnung und Abnehmen bei Adipositas.

Ein weiteres Mittel der Hypnose neben der Unaufmerksamkeitsblindheit ist die Gedankenunterdrückung. Durch die Unterdrückung bestimmter Gedanken scheinen gerade diese Gedanken in unserem Gedächtnis präsent und bewusst verfügbar zu werden. „Denke nicht an einen blauen Elefanten“ – jeder kennt das Spiel. Der blaue Elefant ist nicht mehr aus dem Gedächtnis zu bekommen. Hierbei handelt es sich nach Kossak aber nicht „… um die von Freud gebrauchte Verneinung, die eine Verdrängung darstellt…“.[2]

[1] Hans-Christian Kossak: „Hypnose, Lehrbuch für Psychotherapeuten und Ärzte“Belz Verlag, Weinheim 2013, S. 148

[2] Ebenda, Seite 149