Gesprächstherapie

Die 10 Lernprinzipien nach Carl Rogers

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Klientenzentrierte Gesprächstherapie ist aus dem Werkzeugkasten heutiger Psychotherapeuten nicht mehr wegzudenken. Dabei hat sie sich durch einen Zufall entwickelt.

Assistenzzeit in einer New Yorker Erziehungsberatungsstelle

Psychotherapie - Die Selbsthilfegruppe rot schwarzWährend seiner Assistenzzeit in einer New Yorker Erziehungsberatungsstelle kam der amerikanische Psychologe Carl Rogers immer mehr von der „direktiven Psychotherapie“ nach Freud ab und stellte fest, „dass der Klient derjenige ist, der weiß, wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen [ist], welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind“.[1] Er beobachtete, wie Sozialarbeiter die eigenen Möglichkeiten der Kinder zur Problembewältigung nutzten und schrieb ein Buch über klientenzentrierte Therapie. In der Folge entwickelte sich daraus die Klientenzentrierte Gesprächstherapie.

Die zehn Lernprinzipien

Die zehn Lernprinzipen von Rogers sind aus der Gesprächstherapie nicht mehr wegzudenken. Sie lauten:
1. Menschliche Wesen haben die natürliche Gabe zu Lernen.
2. Lernen findet dann statt, wenn der Schüler den Lerninhalt selbst für wichtig hält, er ein Ziel vor Augen hat und er den Lerninhalt zum Erreichen des Zieles für wichtig hält.
3. Abgelehnt werden Lerninhalte, wenn der Lernende den Inhalt für sich und seine Entwicklung für bedrohlich hält.
4. Eine leichtere Wahrnehumung von Lerninhalten findet statt, wenn es keine äußeren Bedrohungen gibt.
5. Wenn es wenig Gefahren für das eigene Selbst gibt, können Erfahrungen in unterschiedlichen Facetten wahrgenommen werden und der Lernprozess kann voranschreiten.
6. Lerninhalte werden leichter verankert, wenn sie durch unterstützende Handlungen angeeignet wurden.
7. Die Selbstverantwortlichkeit des Schülers fördert und erleichtert einen Lernprozess. Das heißt auch, dass ein Schüler die Freiheit zur Selbsterantwortlichkeit hat.
8. Die durchdringendsten und nachhaltigsten Lernerfahrungen werden erzielt, wenn das Lernen die Person als Ganzes erfordert, also sowohl Emotionen als auch Intellekt.
9. Unabhängigkeit, Kreativität, und Selbstvertrauen werden dann gefördert, wenn Selbstkritik und Selbsteinschätzung wichtiger eingeschätzt werden als die Beurteilung durch andere.
10. Den größten sozialen Nutzen erbringt das Erlernen von Lernprozessen, wenn der Schüler dadurch eine Offenheit für Veränderungen erfährt und diese in das eigene Selbstbild integriert.
[1] Carl Rogers: Entwicklung der Persönlichkeit – Psychotherapie aus der Sicht eines Therapeuten, 1996, S. 27f.