Erbkrankheit Herzinfarkt

Erste Belege für Erbfaktoren bei Herzerkrankungen

Ein Arbeitsteam um Professor Heribert Schunkert am Deutschen Herzzentrum in München fand erste Beweise für genetische Faktoren, die für Herz- und Kreislauferkrankungen verantwortlich sind.

2 seltene Genveränderungen können Herzinfarkt auslösen, wenn sie gemeinsam auftreten
Illustration: Universitätsklinik Lübeck            Der genetische Stammbaum einer genetisch doppelt belasteten Familie. Die weißen Symbole markieren gesunde Mitglieder, die schwarzen Symbole kranke Mitglieder der Familie

Es war schon mehr als eine Vermutung, dass Herzerkrankungen vererbt werden können. Zu auffällig war die familiäre Häufung von Herzinfarkt und Insuffizienz, als dass sie auf einen Zufall zurückzuführen war. Aber es fehlten die Beweise. Grundlegende Arbeiten zum Verständnis, wie Herzinfarkt vererbt werden kann, leistete die Arbeitsgruppe um Heribert Schubert am Deutschen Herzzentrum in München. Sie gehörte schon 2007 zu der weltweit ersten Gruppe, die genetische Faktoren identifiziert hat.

Forscher suchen Einfluss der Umweltfaktoren auf die Gene

Bei den akribischen Untersuchungen wurden gleichzeitig neue Mechanismen zur Entstehung eines Infarkts gefunden. Bei einigen Familien führen diese bei fast allen Mitgliedern zu einem Infarkt. Der Fokus der Arbeitsgruppe liegt auf der Analyse der Interaktionen zwischen Genen und Umwelt. Neue Studien sollen die Korrelation zwischen den Genen identifizieren. Ziel ist eine Risikovoraussage für Infarkt, Arteriosklerose und Koronare Herzerkrankung.

An der Universitätsklinik in Lübeck fand ein internationales Forscherteam um die Professorin Jeanette Erdmann zwei seltene Gene, die einen Herzinfarkt auslösen können, wenn sie gemeinsam auftreten. Die Genmutationen wirken sich auf den Stickstoffmonoydhaushalt in den Blutplättchen aus und können das Infarktrisiko dramatisch erhöhen.

Verklebte Blutplättchen, wenn zwei Gene aufeinander treffen

“Während die meisten Herzinfarkte sporadisch auftreten, sehen wir selten Familien mit sehr vielen Betroffenen, in denen scheinbar ein klassischer (Mendelscher) Erbgang vorliegt. Die zugrundeliegenden genetischen Varianten sind meist unbekannt”, sagt Prof Erdmann auf der Homepage der Universitätsklinik zu Lübeck.

Das gemeinsame Auftauchen der Mutationen der Gene CCT7 und GUCY1A3 ist bisher nur in dieser einen Familie nachgewiesen worden, in der inzwischen 23 Familienmitglieder an Herzinfarkt verstorben sind. Das Phänomen, dass Blutblättchen verkleben, kommt in der Bevölkerung aber häufig vor. Das Gen GUCY1A3 ist eine zentrale Schaltstelle im Signalweg zur Regulation des Herzmuskels, kommt es gleichzeitig zu Veränderungen am Gen CCT7, so ist der Signalweg komplett blockiert.

Wichtiger Termin für Herzpatienten!

Die Herzwochen 2016 der Deutschen Herzstiftung

Herz unter Stress heißt die diesjährige Veranstaltung der Deutschen Herzstiftung, die im Deutschen Herzzentrum in München stattfindet.

Die Vorträge decken die wichtigsten Themen wie Bluthochdruck, Cholesterinsenker, Diabetes mellitus und Psyche + Sport ab. Anschließend findet eine kleine Diskussionsrunde mit dem Psychokardiologen Prof. Dr. Karl Heinz Ladwig statt. Leiter der Veranstaltung ist Prof. Dr. Heribert Schunkert. Veranstalter ist die Deutsche Herzstiftung e.V., die Veranstaltung findet am 8. November 2016 von 17.00 bis 19.15 im Hörsaal des Deutschen Herzzentrums, Lazarettstraße 36 statt. Den genauen Ablauf, Vorträge und Redner können Sie hier erfahren, klicken Sie mit einem direkten Link auf die Veranstaltungsseite (PDF).

60 Jahre Cholesterin Krieg

Wie schädlich erhöhter Cholesterinspiegel ist, bleibt umstritten

 

Als in den 50er Jahren Wissenschaftler herausfanden, dass die gefährlichen Plaques, die die Gefäße verstopfen und zu Herzinfarkt führen, aus Cholesterin bestehen, wurde Cholesterin als Hauptverursacher der Herzkrankheiten gehalten.

Herzinfarkt muss nicht durch Cholesterin ausgelöst werden
Herzinfarkt wird zu hohen Cholesterinwerten zugeschrieben. Neuere Forschungsergebnisse zeigen aber, dass es auf das richtige Verhältnis zwischen HDL und LDL ankommt

Herzspezialisten schlugen sogar vor, dass Fastfood-Ketten, die fettige Hamburger verkauften, auch gleich Cholesterinsenker verabreichen sollten. Ein Trend, der der Pharmaindustrie gefiel. Dabei ist Cholesterin ein essenzieller Baustein unseres Körpers, den wir selbst herstellen. Der biologische Baustoff „Sterol“ ist für die Bildung der Synapsen zuständig und damit unmittelbar an der Gehirnleistung beteiligt, es sorgt für den Aufbau der Zellmembran, von Gallsäure und synthetisiert im Körper Vitamin D.

Gesunder Stoffwechsel gleicht Cholesterinwerte aus

Der Körper stellt Cholesterin selbst her, sodass wir nicht auf Nachschub aus der Nahrung angewiesen sind. Bei Cholesterinreicher Ernährung sorgt der gesunde Körper für einen Ausgleich, es wird weniger produziert. Wie gesagt, bei einem gesunden Körper.

In den Vereinigten Staaten bezweifeln Herzspezialisten längst, dass man mit cholesterinarmer Ernährung einem Herzinfarkt vorbeugen kann[1]. Bisher ging man davon aus, dass Cholesterin als LDL vom Blutstrom in die Organe fließt und überflüssiges HDL zurück in die Leber, wo es wiederaufbereitet wird und wieder in den Blutkreislauf zurück fließt.

Hohes HDL heißt nicht gleich Herzinfarkt

Neueste Forschungsergebnisse, an denen auch der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums, Prof. Dr. Heribert Schunkert mit seinem Team beteiligt ist zeigen: Die körpereigene Disposition ist schuld am Risiko für Herzinfarkt. Manche Menschen haben eine ungünstige Konstellation zwischen dem „guten“ HDL und dem „schlechten“ LDL. Wer einen hohen HDL Wert hat, ist nicht automatisch vor Herzinfarkt oder Schlaganfall geschützt.

Das Deutsche Herzzentrum empfiehlt jenen Menschen, die schon einen Infarkt erlitten haben oder unter hohen Cholesterinwerten leiden, unter ärztlicher Kontrolle ihren Cholesterinspiegel im Auge behalten sollten. Den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die eine maximale Tagesdosis von 300 Milligramm empfiehlt, das entspricht einem Ei und einem Butterbrot pro Tag, will sie sich aber nicht anschließen.

Lipidsenker und seine Folgeerkrankungen

Im Laufe der Jahre wurden die Grenzwerte immer weiter gesenkt. Die Folge ist, dass alleine in Deutschland zurzeit 4,5 Millionen Menschen Statine zu sich nehmen. Ein Milliardengeschäft für die Industrie. Dabei sind die Nebenwirkung und möglichen Folgeerkrankungen der Statine nicht zu übersehen. Wer den Beipackzettel liest, wird von einer Flut von Nebenwirkungen heimgesucht. Als Problem kristallisieren sich Folgeerkrankungen wie Diabetis und Schlafstörungen, Depressionen, Impotenz, Gedächtnisstörungen und Kopfschmerzen.

Die Schlacht ums Cholesterin geht weiter. Die Kontrahenten sind die Pharmaindustrie und der mündige Bürger. Jeder muss für sich selbst entscheiden, denn wie gesagt: vor 450 Jahren war die Erde noch eine Scheibe, daran gab es keine Zweifel.

 

[1] Klaus Jacob in „Bild der Wissenschaft, Heft 10, 2016, S. 98

Die Kopf-Herz-Verbindung

Negative Gefühle machen das Herz krank

Nach 60 Jahren Forschung sagt Professor Johann Caspar Rüegg: „Emotionaler Stress ist häufig der eigentliche Auslöser eines Herzinfarkts“. Das Risiko einer Herzattacke wird durch psychischen Stress erhöht. Nicht nur das autonome Nervensystem reagiert, unter Stress greifen wir eher zur Zigarette und essen unkontrolliert, was zu Übergewicht führt.

Falscher Lebensstil  und Stress kann zu Herzerkrankungen führen
Stressbewältigung durch Entspannungsübungen oder Yoga empfielt J.C. Rüegg in seinem Buch: „Die Herz-Hirn-Connection“, in denen er den Einfluss von Stress, Persönlichkeitsprofil und falschem Lebensstil auf Herzerkrankungen beleuchtet

In den 50er Jahren postulierten die Pioniere der psychosomatischen Medizin, unter ihnen auch Viktor von Weizsäcker, dass sich Konflikte, Stress und Nöte in einer Art „Organsprache“ auf den Körper auswirken. In seinem neuesten Buch[1] erklärt Professor Johann Caspar Rüegg die letzten Erkenntnisse der Psychokardiologie und sagt, dass man sogar an einem gebrochenen Herzen erkranken kann. Natürlich nur im übertragenen Sinn. Hinter dem Broken-Heart-Syndrom stecken Attacken des Nervensystems auf das Herz.Stress, Kummer und Trauer können den Sympathikus überaktivieren, sodass eine Kaskade von Adrenalin und Noradrenalin das Herz überflutet, an der Herzspitze, wo die Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin befinden, entsteht eine ballonartige Auswölbung – Herzschwäche, Blutdruckabfall und Brustschmerzen können die Folge sein. Im EKG gleichen diese Symptome denen eines akuten Herzinfarktes, weshalb der Patient auch wie ein akuter Herzinfarkt versorgt wird. Allerdings sind die Herzkrankgefäße offen und der Herzmuskel gut versorgt.

Prävention hilft, belastende Gewohnheiten abzulegen

Gegen genetische Vorbelastungen kann man noch wenig machen, heute sollte aber jeder die Risiken eines ungesunden Lebensstils kennen: Zu wenig Bewegung, falsche Ernährung und Nikotingenuss. Aber weshalb leben so viele Menschen in unserer Gesellschaft einen riskanten Lebensstil? Offenbar ist es schwieriger, seinen Lebensstil anzupassen oder alte Gewohnheiten aufzugeben als gedacht. Prävention ist ein wichtiger Leitfaden, der von den Kassen unterstützt wird. Angefangen bei Selbsthilfegruppen, in denen Gleichgesinnte eine Orientierungshilfe geben können bis hin zu  Gruppen, in denen Stressmanagement eingeübt wird.

Wer in der Lage ist, seine Gedanken und Gefühle zu kontrollieren, hat Chancen, das Infarktrisiko zu minimieren. Rüegg schreibt, dass mit Yoga, Meditation oder Entspannungsübungen das Risiko und das Wohlbefinden gesenkt werden kann.

Negative Charaktereigenschaften können Infarkt auslösen

Immer häufiger werden von Psychologen Charakter- und Persönlichkeitseigenschaften verdächtigt, koronare Herzerkrankungen auszulösen. Manche Personen reagieren auf Herzerkrankungen mit Wut und Feindseligkeit. Dieser Persönlichkeitstyp, der auf Stress mit Aggressionen reagiert wird heute kontrovers diskutiert. Der Verdacht: Aggression und noch mehr hilfloser Ärger lassen das Infarktrisiko ansteigen. Psychologen nennen diese Menschen Persönlichkeitstyp A.

Schon in den 90er Jahren zeigte sich bei Studien, dass ein anderer Typ, genannt Persönlichkeitstyp D, mit großem Infarktrisiko lebt. Das sind Menschen, die ständig gestresst und verärgert sind und deshalb unter negativen Gefühlen leiden, über die sie nicht reden können und die auf Dauer destruktiv wirken. Durch Meditation können diese Verhaltensmuster möglicherweise wegtrainiert werden. Auch Sport und Bewegung hilft, Körper und Geist wieder in Balance zu bringen.

Um Herzerkrankungen vorzubeugen, empfiehlt Rüegg: „Wenig Stress, nicht rauchen, wenig Alkohol und natürlich mediterrane Kost: wenig Fleisch, tierisches Fett und Cholesterin, dafür viel Obst und Gemüse und reichlich Bewegung – mindestens eine halbe Stunde pro Tag. Und wie gesagt: ein gesundes Stressmanagement.“[2] Sicher weiß das heute jeder Herzpatient. Wer aber mehr über die Verbindung Kopf und Herz wissen will, sollte das Buch lesen.

[1] Rüegg, Johann Caspar: Die Herz-Hirn-Connection, Wie Emomotionen, Denken und Stress unser Herz beeinflussen, Verlag Schattenauer, Stuttgart 2012

[2] Wolf, C.C. in Gehirn und Geist, Ratgeber 3/2016, S.38

Neue Behandlungsleitlinien für herzkranke Patienten

Versuch, eine Versorgungslücke zu schließen

Ein neuer Praxisleitfaden soll Ärzten helfen, seelische Belastungen bei herzkranken Patienten leichter zu erkennen und die Versorgungslücke bei der Behandlung von Angsterkrankungen und Depressionen nach dem REHA Aufenthalt schließen.

Fast die Hälfte aller Deutschen leidet an Arterieller HypertonieArterielle Hypertonie
Hoher Blutdruck wird meist erst erkannt, wenn das Herz schon geschädigt ist. Patienten sollen jetzt schon in der Reha-Klinik lernen, damit umzugehen

Patienten, die aufgrund ihrer Herzerkrankung unter seelischen Belastungen leiden, geraten nach dem Klinikaufenthalt häufig in eine Versorgungslücke, weil Kardiologen psychische Belastungen nicht erkennen und deshalb auch keine Behandlungsempfehlung geben. Nun hat die Freiburger Universität unter Mitwirkung der führenden deutschen Psychokardiologen Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation bei koronaren Herzerkrankungen herausgegeben.[1] Auch Psychologen und Ärzte in Reha-Kliniken können mit diesem Leitfaden psychologische Problemlagen besser feststellen und eine vorgeschlagene und geeignete Intervention wählen.

Niedrigschwellige Intervention soll motivieren

Psychotherapien und psychologische Interventionen sollen von Psychologen durchgeführt werden, niedrigschwellige Interventionen (z.B. Motivierende Gesprächsführung oder Bewältigungsplanung) bei Patienten, bei denen die Belastungen noch keinen Krankheitswert haben, können auch von speziell in der psychokardiologischen Grundversorgung ausgebildeten Heilpraktikern oder psychologischen Beratern und Pflegepersonal durchgeführt werden.

Genderübergreifende Empfehlungen gibt es nicht

Leider sind trotz des umfangreichen Manuals keine geschlechtsspezifischen Empfehlungen zu machen, da das Datenmaterial diesbezüglich nicht ausreichend ist. Aus der Praxisempfehlung für koronare Herzerkrankungen der Universität Freiburg ist zu entnehmen: „Selbstverständlich wäre es optimal, wenn die Feststellung bestimmter psychologisch relevanter Problemlagen und die Anberaumung entsprechender Maßnahmen durch den Psychologen erfolgen könnten. Dies würde allerdings voraussetzen, dass der Psychologe mit allen Rehabilitanden ein Aufnahmegespräch führt, was in den meisten Einrichtungen aufgrund der Personalsituation nicht zu leisten ist.“[2]

Zwei Herzgruppen für Belastungsreaktionen in München

Angeraten wird die Organisation der Patienten in Selbsthilfegruppen  und geleiteten Herzgruppen, wo der Umgang mit der Erkrankung geübt werden soll. In München existieren derzeit zwei Selbsthilfegruppen, die sich mit seelischen Belastungen herzkranker Patienten beschäftigen. Die Autoren der Praxisempfehlung ratendazu, routinemäßig alle Patienten in Reha-Kliniken auf psychosoziale Belastungen, auf soziale Isolation oder Problemen in Bezug auf die Erwerbstätigkeit zu untersuchen, um die „Entdeckungsrate“ zu erhöhen.

[1] Verfügbar unter https://www.uniklinik-freiburg.de/severa/praxisempfehlungen.html: Autoren: Reese, C., Mittag, O., Bengel, J., Boll-Klatt, A., Cordes, C., Deck, R., Dräger-Recktenwald, R., Faller, H., Fleig, L., Gauggel, S., Geigges, W., Grande, G., Hautzinger, M., Herrmann-Lingen, C., Langosch, W., Mai, B., Niebling, W., Pomp, S., Schmucker, D., Wörner, S. & Worringen, U. (2012). Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation: Koronare Herzerkrankung.

[2] https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/08_institute/qm-sozmed/Praxisempfehlungen/Praxisempfehlungen_Kardiologie.pdf, S. 6

Selbsthilfe für Herzkranke an der Technischen Universität München

Neue Psychokardiologische Selbsthilfegruppe gegründet

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Die Disziplin „Psychokardiologie“ ist jung und sucht sich noch seinen Platz in der Psychotherapie – aber schon wird in allen Treppenhäusern deutscher Kliniken darüber diskutiert, wie psychologische Unterstützung in der Prävention eingesetzt werden könnte. Im Klinikum rechts der Isar in München startet im Januar nun der Versuch, stressanfällige Herzpatienten in einer Selbsthilfegruppe emnotional zu unterstüzen.

Viele Herzpatienten leiden unter Ängsten

Der Bedarf ist groß, jeder dritte Herzpatient leidet unter Ängsten oder Depressionen, nach Operationen entstehen oftmals Traumatisierungen, die zu starken Belastungen führen können, die unbehandelt chronifizieren. Im Mai wurde die erste psychokardiologische Selbsthilfegruppe für Herzkranke im Selbsthilfezentrum München von mir gegründet, nun habe ich die Möglichkeit, im Klinikum rechts der Isar ein weiteres Selbsthilfe Projekt für stressanfällige Herzpatienten aufzubauen.

In Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Psychokardiologie an der Technischen Universität in München wird ab Februar 2016 unter der Leitung von Dr. Joram Ronel im Klinikum rechts der Isar ein Selbsthilfeprogramm für herzkranke Patienten, die unter seelischen Belastungen leiden, gestartet. Ziel ist niedrigschwellige Prävention in der Kardiologie, bevor medizinische oder psychotherapeutische Intervention nötig wird.

Ziel ist der gemeinsame Erfahrungsaustausch

Hintergrund des Projektes ist,  ein Forum des Austausches unter „Gleichgesinnten“ auch im klinischen Umfeld umzusetzen. „Ziele der Selbsthilfegruppe sind der gemeinsame Informations- und Erfahrungsaustausch, praktische Lebenshilfe und gegebenenfalls gemeinsame Unternehmungen“, sagt Dr. Joram Ronel, medizinischer Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Klinik rechts der Isar.

Die Gruppe trifft sich ab 3. Februar jeden 1. Donnerstag im Monat von 18.00 bis 20.00 Uhr. Anmeldungen und genauere Informationen erhalten sie auf meiner Homepage. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Neues Medikament kommt auf den Markt

Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche. Die EU lässt das neue Medikament Entresto frühzeitig zu. Damit ist das Medikament für Herzpatienten mit Herzinsuffizienz sofort verfügbar.

Die dualen Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril sind so wirksam, dass eine Doppelblindstudie abgebrochen wurde, um das Medikament auf den Markt zu bringen. Profitieren dürften Patienten mit Herzinsuffizienz, also Menschen mit Pumpschwäche des Herzmuskels. Die Folgen dieser Erkrankung sind extremer Leistungsabfall, Atemnot bei geringster Belastung bis hin zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Lungenödem).

Bisher diente zur Behandlung dieser progredienten, kaum aufzuhaltenden Herzerkrankung Enalapril als Goldener Standard. Der ACE-Hemmer blockiert die Produktion von Angiotensin, das über unterschiedliche Mechanismen den Blutdruck in den Nieren und Gefäßen erhöht und auf lange Sicht zu Nierenschäden führen kann.

Neue Wirkweise von Sacubitril

Das neue Medikament kombiniert jetzt die beiden Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril. Valsartan greift in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ein, ein schon bekannter Vorgang. Neu ist die Wirkweise von Sacubitril: Der Wirkstoff hemmt das Enzym Neprilysin und bewirkt ein vermehrtes Ausscheiden von Natrium und Wasser über die Nieren. Der Blutdruck wird gesenkt, der Herzmuskel entlastet.

Schnelle Einführung zum Nutzen der Patienten

Das Herzmedikament war bei einer Doppelblindstudie in den USA so erfolgreich, dass sich die dortige Arzneimittelbhörde FDA veranlasst sah, einem Abbruch der Studie zuzustimmen, um das Medikament zur Behandlung schwerer Herzinsuffizienz zur Verfügung zu stellen. Unter dem Namen Entresto® wird es jetzt auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Arteriogenese schützt vor Herzinfarkt

Bei verstopften Herzkranzgefäßen können sich Kollateralarterien zu natürlichen Bypässen entwickeln

Viele Herzpatienten stellen fest, dass nach einiger Zeit Stents wieder verschließen. Doch die Natur baut vor, denn kleinste Gefäße, die sogenannten Kollateralarterien, die das Herz umspannen, können zu großen Gefäßen heranwachsen und den Herzmuskel mit einem natürlichen Bypass versorgen.

Kleinste Herzkrankgefäße, sogenannte Kapillaren, können zu großen Versorgungsarterien heranwachsen
Kleinste Gefäße am Herzmuskel können bei Verschlusskrankheiten zu großen Versorgungsarterien heranwachsen

Wenn es in großen Gefäßen durch Kalkablagerungen zu Engpässen kommt und ein Herzinfarkt droht, staut sich das Blut vor diesen Ablagerungen. Es sucht sich neue Wege und der erhöhte Druck schiebt es in die kleinsten Gefäße. Das funktioniert wie bei Hochwasser, wenn Wasserkaskaden von den großen Flüssen oft kilometerweit in die kleinen Bäche hineindrängen und das Umland überschwemmen.

 

Arteriogenese bildet beim Fötus die Gefäße

Bei Gefäßen heißt dieses Prinzip Arteriogenese und bildet schon beim Fötus ein funktionierendes Gefäßsystem aus. Das fanden Matthias Heil und Wolfgang Schaper am Max Planck Institut im Kerckhoff Zentrum in Bad Nauheim heraus. Ausgelöst wird dieses erneute und ein Leben lang funktionierende Arterienwachstum von physikalischen Kräften wie der erhöhten Schubspannung des Blutflusses.

Rezeptoren an den Gefäßwänden der Kollateralarterien nehmen die erhöhte Schubspannung des Blutes wahr – in der Folge werden die Gefäße länger und dicker und bilden einen natürlichen Bypass zu den schlechter versorgen Gebieten der Herzkranzgefäße. Hoffnung für Patienten, die unter hohen Cholesterinwerten leiden.

Sport fördert das Wachstum von Gefäßen

Viel Bewegung und Sport erhöht das Wachstum kollateraler Arterien. Offenbar hilft leicht erhöhter Puls die kleinen Gefäße zu durchbluten. Vielleicht wird aus diesem Grund bei älteren Personen häufig beobachtet, dass trotz verengter Gefäße keine Herzbeschwerden auftreten. Und noch eine Beobachtung könnte erklärt werden: Einige Herzkranke stecken eine Attacke besser weg als andere. Offenbar schützt sie ihr Arteriengeflecht vor schlimmen Folgen.

Herz trifft Seele

Treff für Herzkranke im Selbsthilfezentrum München

Das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe „Herzkrank – Wohin mit den Ängsten und Sorgen?“ am Montag, 22.Juni 2015 im Selbsthilfezentrum München.

Die geschlossene Gruppe existiert erst seit zwei Monaten, jetzt sind noch zwei weitere Teilnehmer dazugekommen. Bald ist die Gruppe voll und es muss eine neue gegründet werden. Beim letzten Treffen konnten einige der älteren Teilnehmer nicht kommen. Typisches Herzwetter mit schwüler Hitze, über 30 Grad Celsius am Abend – da blieben einige teilnehmer lieber zuhause. Umso intensiver waren die Gespräche der übrigen. Die gingen weit über die Schilderung der eigenen Symptome hinaus. Hauptthema  waren diesmal der „Teufelskreis der Angst“ und auf welche äußeren oder inneren Anlässe der jeweilige Teilnehmer reagiert. Zwar wurden keine genderspezifischen Reize genannt aber es wurde deutlich, wie eng die Angsltauslöser mit der eigenen Biografie zu tun haben.

Herzsportgruppe

Bergwandern in ärztlicher Begleitung

Auch dieses Jahr veranstaltet das Kardioforum Bayern vom 13. Juni bis zum 17. Juni das Kardiotrecking vom Chiemsee zur Winklmoosalm.
Wieder nehmen Mitglieder des Herz-Stress-Nachsorgeprogramms im Heilzentrum Bogenhausen an der ärztlich betreuten Bergwanderung teil.
Auch wenn das letzte Jahr verregnet war und wegen der Fahrradtour der Bayernrundfahrt die Strecke verlegt werden musste, waren unsere beiden Teilnehmer begeistert. In diesem Jahr werden schon vier Teilnehmer des Herz-Stress-Nachsorgeprogramms teilnehmen.

Kardiotrecking für Herzkranke

Es wird 3 Wandergruppen geben, die dem unterschiedlichen Leistungsstand gerecht wird, optimal für herzkranke Bergwanderer. Die leichte Gruppe wandert etwa 2 Stunden mit nur geringem Anstieg, die mittlere Gruppe wandert 2-5 Stunden mit moderater Belastung und die dritte Gruppe wandert bis zu sechs Stunden mit anspruchsvollem Höhenprofil.
Für Gepäcktransport ist gesorgt und wer sich überfordert fühlt, kann mit einem PKW mitgenommen werden.
Übernachtet wird in Gasthöfen, begleitende Kardiologen sorgen für ärztliche Betreuung.
Hier können Sie sich für die Treckingtour anmelden: Anmeldung beim Kardioforum Bayern