Selbsthilfe für Herzkranke an der Technischen Universität München

Neue Psychokardiologische Selbsthilfegruppe gegründet

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Die Disziplin „Psychokardiologie“ ist jung und sucht sich noch seinen Platz in der Psychotherapie – aber schon wird in allen Treppenhäusern deutscher Kliniken darüber diskutiert, wie psychologische Unterstützung in der Prävention eingesetzt werden könnte. Im Klinikum rechts der Isar in München startet im Januar nun der Versuch, stressanfällige Herzpatienten in einer Selbsthilfegruppe emnotional zu unterstüzen.

Viele Herzpatienten leiden unter Ängsten

Der Bedarf ist groß, jeder dritte Herzpatient leidet unter Ängsten oder Depressionen, nach Operationen entstehen oftmals Traumatisierungen, die zu starken Belastungen führen können, die unbehandelt chronifizieren. Im Mai wurde die erste psychokardiologische Selbsthilfegruppe für Herzkranke im Selbsthilfezentrum München von mir gegründet, nun habe ich die Möglichkeit, im Klinikum rechts der Isar ein weiteres Selbsthilfe Projekt für stressanfällige Herzpatienten aufzubauen.

In Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Psychokardiologie an der Technischen Universität in München wird ab Februar 2016 unter der Leitung von Dr. Joram Ronel im Klinikum rechts der Isar ein Selbsthilfeprogramm für herzkranke Patienten, die unter seelischen Belastungen leiden, gestartet. Ziel ist niedrigschwellige Prävention in der Kardiologie, bevor medizinische oder psychotherapeutische Intervention nötig wird.

Ziel ist der gemeinsame Erfahrungsaustausch

Hintergrund des Projektes ist,  ein Forum des Austausches unter „Gleichgesinnten“ auch im klinischen Umfeld umzusetzen. „Ziele der Selbsthilfegruppe sind der gemeinsame Informations- und Erfahrungsaustausch, praktische Lebenshilfe und gegebenenfalls gemeinsame Unternehmungen“, sagt Dr. Joram Ronel, medizinischer Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Klinik rechts der Isar.

Die Gruppe trifft sich ab 3. Februar jeden 1. Donnerstag im Monat von 18.00 bis 20.00 Uhr. Anmeldungen und genauere Informationen erhalten sie auf meiner Homepage. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Neues Medikament kommt auf den Markt

Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche. Die EU lässt das neue Medikament Entresto frühzeitig zu. Damit ist das Medikament für Herzpatienten mit Herzinsuffizienz sofort verfügbar.

Die dualen Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril sind so wirksam, dass eine Doppelblindstudie abgebrochen wurde, um das Medikament auf den Markt zu bringen. Profitieren dürften Patienten mit Herzinsuffizienz, also Menschen mit Pumpschwäche des Herzmuskels. Die Folgen dieser Erkrankung sind extremer Leistungsabfall, Atemnot bei geringster Belastung bis hin zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Lungenödem).

Bisher diente zur Behandlung dieser progredienten, kaum aufzuhaltenden Herzerkrankung Enalapril als Goldener Standard. Der ACE-Hemmer blockiert die Produktion von Angiotensin, das über unterschiedliche Mechanismen den Blutdruck in den Nieren und Gefäßen erhöht und auf lange Sicht zu Nierenschäden führen kann.

Neue Wirkweise von Sacubitril

Das neue Medikament kombiniert jetzt die beiden Wirkstoffe Valsartan und Sacubitril. Valsartan greift in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ein, ein schon bekannter Vorgang. Neu ist die Wirkweise von Sacubitril: Der Wirkstoff hemmt das Enzym Neprilysin und bewirkt ein vermehrtes Ausscheiden von Natrium und Wasser über die Nieren. Der Blutdruck wird gesenkt, der Herzmuskel entlastet.

Schnelle Einführung zum Nutzen der Patienten

Das Herzmedikament war bei einer Doppelblindstudie in den USA so erfolgreich, dass sich die dortige Arzneimittelbhörde FDA veranlasst sah, einem Abbruch der Studie zuzustimmen, um das Medikament zur Behandlung schwerer Herzinsuffizienz zur Verfügung zu stellen. Unter dem Namen Entresto® wird es jetzt auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Arteriogenese schützt vor Herzinfarkt

Bei verstopften Herzkranzgefäßen können sich Kollateralarterien zu natürlichen Bypässen entwickeln

Viele Herzpatienten stellen fest, dass nach einiger Zeit Stents wieder verschließen. Doch die Natur baut vor, denn kleinste Gefäße, die sogenannten Kollateralarterien, die das Herz umspannen, können zu großen Gefäßen heranwachsen und den Herzmuskel mit einem natürlichen Bypass versorgen.

Kleinste Herzkrankgefäße, sogenannte Kapillaren, können zu großen Versorgungsarterien heranwachsen
Kleinste Gefäße am Herzmuskel können bei Verschlusskrankheiten zu großen Versorgungsarterien heranwachsen

Wenn es in großen Gefäßen durch Kalkablagerungen zu Engpässen kommt und ein Herzinfarkt droht, staut sich das Blut vor diesen Ablagerungen. Es sucht sich neue Wege und der erhöhte Druck schiebt es in die kleinsten Gefäße. Das funktioniert wie bei Hochwasser, wenn Wasserkaskaden von den großen Flüssen oft kilometerweit in die kleinen Bäche hineindrängen und das Umland überschwemmen.

 

Arteriogenese bildet beim Fötus die Gefäße

Bei Gefäßen heißt dieses Prinzip Arteriogenese und bildet schon beim Fötus ein funktionierendes Gefäßsystem aus. Das fanden Matthias Heil und Wolfgang Schaper am Max Planck Institut im Kerckhoff Zentrum in Bad Nauheim heraus. Ausgelöst wird dieses erneute und ein Leben lang funktionierende Arterienwachstum von physikalischen Kräften wie der erhöhten Schubspannung des Blutflusses.

Rezeptoren an den Gefäßwänden der Kollateralarterien nehmen die erhöhte Schubspannung des Blutes wahr – in der Folge werden die Gefäße länger und dicker und bilden einen natürlichen Bypass zu den schlechter versorgen Gebieten der Herzkranzgefäße. Hoffnung für Patienten, die unter hohen Cholesterinwerten leiden.

Sport fördert das Wachstum von Gefäßen

Viel Bewegung und Sport erhöht das Wachstum kollateraler Arterien. Offenbar hilft leicht erhöhter Puls die kleinen Gefäße zu durchbluten. Vielleicht wird aus diesem Grund bei älteren Personen häufig beobachtet, dass trotz verengter Gefäße keine Herzbeschwerden auftreten. Und noch eine Beobachtung könnte erklärt werden: Einige Herzkranke stecken eine Attacke besser weg als andere. Offenbar schützt sie ihr Arteriengeflecht vor schlimmen Folgen.

Herz trifft Seele

Treff für Herzkranke im Selbsthilfezentrum München

Das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe „Herzkrank – Wohin mit den Ängsten und Sorgen?“ am Montag, 22.Juni 2015 im Selbsthilfezentrum München.

Die geschlossene Gruppe existiert erst seit zwei Monaten, jetzt sind noch zwei weitere Teilnehmer dazugekommen. Bald ist die Gruppe voll und es muss eine neue gegründet werden. Beim letzten Treffen konnten einige der älteren Teilnehmer nicht kommen. Typisches Herzwetter mit schwüler Hitze, über 30 Grad Celsius am Abend – da blieben einige teilnehmer lieber zuhause. Umso intensiver waren die Gespräche der übrigen. Die gingen weit über die Schilderung der eigenen Symptome hinaus. Hauptthema  waren diesmal der „Teufelskreis der Angst“ und auf welche äußeren oder inneren Anlässe der jeweilige Teilnehmer reagiert. Zwar wurden keine genderspezifischen Reize genannt aber es wurde deutlich, wie eng die Angsltauslöser mit der eigenen Biografie zu tun haben.

Herzsportgruppe

Bergwandern in ärztlicher Begleitung

Auch dieses Jahr veranstaltet das Kardioforum Bayern vom 13. Juni bis zum 17. Juni das Kardiotrecking vom Chiemsee zur Winklmoosalm.
Wieder nehmen Mitglieder des Herz-Stress-Nachsorgeprogramms im Heilzentrum Bogenhausen an der ärztlich betreuten Bergwanderung teil.
Auch wenn das letzte Jahr verregnet war und wegen der Fahrradtour der Bayernrundfahrt die Strecke verlegt werden musste, waren unsere beiden Teilnehmer begeistert. In diesem Jahr werden schon vier Teilnehmer des Herz-Stress-Nachsorgeprogramms teilnehmen.

Kardiotrecking für Herzkranke

Es wird 3 Wandergruppen geben, die dem unterschiedlichen Leistungsstand gerecht wird, optimal für herzkranke Bergwanderer. Die leichte Gruppe wandert etwa 2 Stunden mit nur geringem Anstieg, die mittlere Gruppe wandert 2-5 Stunden mit moderater Belastung und die dritte Gruppe wandert bis zu sechs Stunden mit anspruchsvollem Höhenprofil.
Für Gepäcktransport ist gesorgt und wer sich überfordert fühlt, kann mit einem PKW mitgenommen werden.
Übernachtet wird in Gasthöfen, begleitende Kardiologen sorgen für ärztliche Betreuung.
Hier können Sie sich für die Treckingtour anmelden: Anmeldung beim Kardioforum Bayern

Psychokardiologie

Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Kongress für Psychokardiologie in Berlin

Psychokardiologie – was Ärzte und Psychologen bei der Behandlung von Herzpatienten wissen und beachten sollten – das ist eines der Themen beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 25. bis 28. März in Berlin stattfindet.
Junger Chirug Junger Arzt mit Schild Endovaskuläre ChirurgieDie Psychokardiologie als zentrale Disziplin der Internistischen Psychosomatik entwickelt sich in Forschung und Klinik rasant weiter. Neben dem aktuellen Wissenstand in der Psychokardiologie soll das Grundwissen in der Behandlung von Herzpatienten Ärzten und Psychotherapeuten näher gebracht werden.
Bei dieser Patientengruppe spielen psychosoziale Risikofaktoren eine wesentliche Rolle. Ärzte und Psychologen sollen für das  traumatische Erleben an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod sensibilisiert werden. Unter der Leitung von Dr. C. Waller soll differentialdiagnostisches Vorgehen bei Herzbeschwerden, Verleugnung und Prävention vorgestellt werden.

Helmut Bundschuh

Herzkrank und Nulldiät

Nulldiät kann gefährlich werden

Nulldiät und Herzkrankheit, passt das zusammen? Nur unter ärztlicher Aufsicht. Mehrere Tage oder Wochen werden keine Kalorien zu sich genommen: nur mindestens drei Liter Wasser und ungesüßte Kräutertees.

Mediziner warnen vor solch radikalen Kuren bei kranken Personen. 75% der Gewichtsabnahme gehen auf den Wasserverlust zurück. Bei Wasserverlust wird Kalium ausgeschieden. Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bei Kaliummangel sind keine Seltenheit. Veränderungen des Stoffwechsels führen dazu, dass die Nieren weniger Harnsäure ausscheiden. Gallensteine nach Nulldiäten werden begünstigt. Harnsäure kristallisiert im Körper und führt zu Gichtanfällen nach Nulldiäten. Also: Nulldiäten besser unter ärztlicher Aufsicht, besser noch in einer Kurklinik.

Helmut Bundschuh

Nulldiät bei Herzerkrankung?

Nulldiät nur unter ärztlicher Kontrolle

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Herzkranke Diäten nur unter ärztlicher Kontrolle durchführen sollten. Es gibt verschiedene Formen der Nulldiät: Beim Heilfasten gibt es nur Wasser, Säfte, Kräutertees und Brühe, bei Formula-Diät mit Nährstoffen angereicherte Eiweißdrinks. Viele Menschen erleben nach einigen Tagen einen mentalen Kick. Die einen führen es auf die innere Reinigung zurück, die vorher mit Glaubersalzen durchgeführt wurde, andere empfinden den „Hungerstoffwechsel“, der nach einigen Tagen einsetzt, als erleichternd. Schließlich ist eine Ursache des Übergewichts die mangelnde Selbstkontrolle beim Essen. Und die wird beim Fasten vermieden.

Der Organismus schaltet auf Hunger

Der Organismus schaltet nach wenigen Tagen Nulldiät auf Hungerstoffwechsel. In den ersten 24 Stunden werden die Kohlehydratreserven aufgebraucht, danach verarbeitet die Leber erst die Eiweißreserven, danach die Fettreserven, um den Organismus mit Glukose zu versorgen. Um Energie zu sparen, sinkt der Blutdruck und die Herzfrequenz, die Körpertemperatur sinkt, eine Verlangsamung tritt ein. Der Grundumsatz an Energie sinkt.

Genau die Reduzierung des Grundumsatzes führt später zum berüchtigten Jojo-Effekt: Wer zehn Kilogramm abnimmt, verliert diese zuerst an Muskelmasse und der Körper verbraucht 400 Kalorien weniger. Isst man später wieder normal, nimmt man mehr Kalorien zu sich, als der Körper jetzt braucht. Darum sollte man beim Abnehmen Sport treiben. Diät und Bewegung gehören zusammen wie Henne und Ei.

Stopp bei Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Diäten sind oft Nervosität, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Muskelkrämpfe. Herzpatienten müssen vorsichtig sein: Bei Nulldiäten geht zunächst Wasser verloren, und damit wird auch Kalium ausgeschieden. Kalium ist der Muskelmotor der Herzmuskeln. Kaliummangel schädigt das Herz.

Helmut Bundschuh

Herzerkrankung und Entspannung

Von Entspannungsübungen profitieren

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Entspannungsübungen für Herzpatienten, davon kann fast jeder Patient  profitieren. Ihre Wirksamkeit ist gut untersucht und belegt.[1] Mit Hilfe der Entspannungsverfahren lernen Patienten, ihren Körper und Gedanken zu beeinflussen. Die Linderung der Beschwerden stärkt das Erleben von Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit. Stressauslöser können im Voraus erkannt werden.

Entspannung bei Belastung Schlafstörungen

Bei folgenden körperlichen und psychischen Erkrankungen können Entspannungsverfahren eingesetzt werden:

  1. Entspannung bei koronarer Herzerkrankung
  2. Entspannung bei akuten und chronischen Schmerzzuständen
  3. Entspannung bei Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen
  4. Entspannung bei Depression (leichte und mittelgradige Depression)
  5. Entspannung bei Angststörungen
  6. Entspannung bei Schlafstörungen
  7. Entspannung bei Migräne, Asthma bronchiale
  8. Entspannung bei Stress

Nicht angewandt werden Entspannungsübungen bei:

  1. Starken kognitiven Störungen
  2. Psychotische Störungen
  3. Fortgeschrittener Demenz
  4. Schwere depressive Episode
  5. Zwangsvorstellungen
  6. Hypochondrie[2]

Entspannung im Alltag

Wichtig ist, dass Entspannungsvefahren im Alltag transferiert werden. Bei Patienten, die nur während eines Kurses üben, bleiben die Verfahren wirkungslos. Ebenso problematisch ist, wenn ‚Entspannung nur mit Hilfe von Hilfsmitteln wie einer CD geübt werden.

Merkmale eines hilfreichen Entspannungsverfahrens ist, wenn es:

  1. Leicht erlernbar ist
  2. Zuverlässig und schnell zu einer Entspannung führt
  3. Es vom Patienten in möglichst vielen Alltagssituationen angewandt werden kann.[3]

[1] Vaitl u. Petermann: Entspannungsverfahren, das Praxishandbuch, 2004

[2] Köllner und Broda: Praktische Verzhaltensmedizin 2005

[3] Köllner und Broda: Praktische Verzhaltensmedizin 2005

Hyperventilationstest in Hypnose bei Panikerkrankung

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Ein Hyperventilationstest bei Angsterkrankung soll dem Patienten helfen, die Gemeinsamkeiten zwischen den Symptomen eines Panikanfalls und den Effekten der Hyperventilation zu erkennen. Dies soll die Identifikation angstfördernder Gedanken ermöglichen. Dabei gehe ich in meiner Praxis für Psychotherapie im Heilzentrum Bogenhausen in mehreren Schritten vor. Für diesen Artikel dient das Protokoll einer Hypnosesitzung im Oktober 2014 als Vorlage. Es handelte sich um eine Patientin vom Herz Stress Nachsorgeprogramm, die seit einem Herzinfarkt im August 2012 unter Panikattacken leidet. Sie wurde vom Reha-Zentrum Bayerisch Gmain zur Herz Strass Nachsorge ins Heilzentrum Bogenhausen verwiesen und zwischendurch in verhaltenstherapeutischer Behandlung gewesen. Die Angsterkrankung hatte sich bisher aber nicht gebessert. Angsttherapie bei Realangst kann mitunter schwierig sein. Die Universität Göttingen bietet diesbezüglich eine Ausbildung zur Psychokardiologischen Grundversorgung an, die ich absolviert hatte.

Zunächst explorierte ich im Zuge des Anamnesegesprächs mit der Patientin die Symptome eines typischen Angstanfalls. Wie erwartet wurden von Patientenseite einige körperliche Symptome der Panikattacke geschildert. Bestimmte Fragetechniken ermöglichen bereits hier die Exploration einiger angstfördernder Gedanken. Diese angstfördernden Gedanken initiieren häufig den Teufelskreis der Angst, der für viele Angsterkrankungen typisch ist und immer wieder denselben Angstkreislauf antreibt. Nach eingehender Anamnese wiederholten wir detailliert noch einmal den Verlauf einer Panikattacke, so wie die Patientin diese erlebt.

Im zweiten Schritt wurde die Patientin genau über Hypnose, deren Funktionsweise und den Ablauf eines Hyperventilationstests im Heilzentrum Bogenhausen aufgeklärt. Ich klärte darüber auf, dass manche Patienten während des Hyperventilationstests unangenehme Empfindungen wahrnehmen, dass diese aber vorübergingen, sobald die Patientin wieder normal atmet.

Da die Patientin noch keine Hypnoseerfahrung hatte, wählte ich eine längere Einleitung. Schluckreflex, Augenbewegungen und Armlevitation zeigten an, dass sie sich in einem genügend tiefen Hypnosezustand befand. Auf die Aufforderung, mit mir zu kommunizieren, reagierte sie zufriedenstellend. Die Patientin begab sich in aufrechte Sitzposition und begann nach Anleitung zwei Minuten zu hyperventilieren. Ich erklärte ihr, dass der Hyperventilationstest in Hypnose bei zu starken Reaktionen abgebrochen werden kann.

Die Patientin sollte nun ihre Aufmerksamkeit nach innen lenken, was ihr gut gelang und wahrnehmen, welche Körperreaktionen bei Hyperventilation entstehen. Dabei achtete ich darauf, dass das Angstpotential nicht zu hoch stieg. Es sollte in der ersten Hypnosesitzung noch keine Desensibilisierung in sensu stattfinden, sondern nur die Ähnlichkeiten der Panikattacke und der Hyperventilation erkannt werden. Ich forderte sie auf, sich auf die körperlichen Symptome zu konzentrieren, was ihr gut gelang. Schritt für Schritt wurden verschiedene Symptome identifiziert.

Nach der hypnotischen Ausleitung erholte sich die Patientin schnell und sie wurde aufgefordert, die wahrgenommenen körperlichen Symptome, das Ausmaß der Angst und die Unterschiede bzw. die Ähnlichkeiten bei einer Panikattacke und der Hyperventilation genau zu beschreiben. Sie stellte fest, dass das Aufflackern der Angst unmittelbar mit ihrer Hyperventilation zu tun hatte und sie diese zumindest während der Hypnosesitzung steuern konnte.

Die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten wurden protokolliert und die Durchführung eines Stressmanagements vereinbart.

Im Nachhinein ist festzustellen, dass die Patientin für Hypnose gut geeignet war, weil sie Entspannungsübungen beim Herz Stress Nachsorgeprogramm bereits erlebt hatte.