Trauer als Tranceerlebnis

Trancephänomene, wie Abwehrreaktionen in der Tiefenpsychologie

Trauernde fühlen sich nach dem Verlust des Partners oft ihren eigenen psychischen und körperlichen Reaktionen ausgeliefert. Die aktive Kontrolle über die Umwelt und die Steuerung des eigenen Verhaltens geht verloren. Es ist schwierig, die eigene Trauer zu gestalten, denn es handelt sich um einen Zustand, der mit Trance vergleichbar ist. Schon Sigmund Freud beschrieb die Trauerphänomene und entwickelte später das tiefenpsychologische Konzept der Abwehrreaktionen.

Alleinstehender Baum wächst am Seeufer, Äste hängen über das Wasser
Realen Erscheinungen werden in der Trauer oft mysthische Bedeutung zugeschrieben

Darum achte ich bei meiner Trauerbegleitung auf  eine lösungsorientierte Trauertrance, damit der Trauernde nicht in seiner Problemtrauer stecken bleibt, auch wenn die Situation aufgrund des Verlustes unlösbar scheint. Mehr und mehr komme ich vom klassischen Trauerphasen Modell ab.

Es sind Trauerphänomene zu beobachten, wie sie Gunther Schmidt beschrieb und die auf tiefenpsychologische Prozesse hinweisen, die individuell unterschiedlich bei jedem Trauernden auftreten.[1]

Derealisatien ist Erleben wie unter einer Glasglocke

Unmittelbar nach dem Verlust erleben Trauernde die Situation als völlig unreal. Sie hoffen immer noch, dass es sich um einen Traum handelt, aus dem sie bald aufwachen. Sie fühlen sich wie in Watte gebettet und unter einer Glasglocke – die Realität kommt nur gedämpft und unwirklich an.

Mit dieser Derealisation geht häufig die Dissoziation einher: Einerseits fühlt sich der Trauernde wie gelähmt und betäubt, andererseits kann er die Trauerfeierlichkeiten wie automatisch organisieren. Er hinterlässt nach außen einen anderen Eindruck, als er sich nach innen fühlt. Dissoziation ist ein Trancezustand und tritt im Alltag häufig auf: Wer gedankenverloren aus dem Fenster blickt, seine Umwelt nicht mehr wahr nimmt, während vor seinem inneren Auge „Trancebilder“ auftauchen befindet sich ähnlich wie der Marathonläufer, der seine körperlichen Schmerzen ausblenden kann, in einem Zustand der Trennung zwischen Wahrnehmung und Gedächtnisinhalten.

Zeitverzerrung, als würde die Zeit stillstehen

Roland Kachler sagt dazu: „Trauernde erleben sich als aus der Zeit gefallen und zeitlos. Die Zeitwahrnehmung ist insbesondere zu Beginn des Trauerprozesses massiv verzerrt… Der Tod und die Abwesenheit des geliebten Menschen bewirken einen Stillstand, oft auch eine unheimliche Stille, in der nichts zu geschehen scheint, (deshalb) wird die vergangene reale Zeit im Rückblick als verkürzt erlebt. Auch später wird der Tod des geliebten Menschen als ein Ereignis vor langer Zeit und zugleich als etwas erst vor kurzem Geschehenes gefühlt“.[2]

Halluzinationen mischen sich mit Erinnerungsmustern

Oft berichten Trauernde, dass sie den verstorbenen Partner plötzlich sehen oder seine Stimme hören. Es sind imaginative Erfahrungen. Immer wieder tauchen innere Bilder des Verstorbenen auf – das Gehirn ruft Erinnerungen hervor, die dem Trauernden real erscheinen. Die im Gehirn abgespeicherten Muster, die wir brauchen, um uns in der Welt zurecht zu finden, vermischen sich mit akustischen, auditiven und sensorischen Eindrücken. Das Erleben der trauernden Person ist in allen Beziehungen durchlässig für den Verstorbenen. Der ist zwar in eine andere Welt gegangen, für den Trauernden aber in einer nahen, fühlbaren Welt. Gerade in der Anfangszeit hat die Wirklichkeit eine quälende, albtraumhafte Qualität. Roland Kachler beschreibt diese als Tranceerfahrung.[3]

[1] Ebenda, S. 56 ff.

[2] Kachler R.: „Hypnosystemische Trauerbegleitung“, Carl Auer Verlag, Heidelberg 2014, S. 55

[3] Schmidt G.: „Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung“, Heidelberg 2005, Carl Auer Verlag

Hilfe für Hinterbliebene

Hypnosystemische Trauerbewältigung und narrative Erzähltherapie, eine wirksame Therapiekombination zur Trauerbewältigung

Wenn es um die Unterstützung trauernder Personen geht, ist die „Trauerarbeit“ zunächst in drei Formen aufgeteilt. Die Trauerbegleitung, die Trauerberatung und die Trauertherapie. Die Übergänge sind oft fließend, längere Prozesse sollten aber im therapeutischen Setting geschehen.

Tiefe Trauer gleicht häufig einen tranceähnlichen Zustand. Deshalb hat der deutsche Psychotherapeut und Trauerbegleiter Roland Kachler den neuen Ansatz der hypnosystemischen Trauerarbeit entwickelt, in dem er das Umfeld der trauernden Person und Hypnosetherapie vereinigt. Denn in seiner früheren Arbeit als Trauerbegleiter hatte er die Erfahrung gemacht, dass sein Ratschlag, den Verstorbenen „loszulassen“, bei den Trauernden  große Widerstände provozierte. Das führte zu einer relativ hohen Abbruchquote der Therapie und Roland Kachler hatte selbst das „Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber dem als endgültig definierten Verlust“.[1]

Gunther Schmidt vereinigt unterschiedliche Ansätze der Therapie

Der Hypnose- und Psychotherapeut Gunther Schmidt hatte schon 2005 den Hypnosystemischen Ansatz für die Psychotherapie definiert[2]. Schmidt war es gelungen, hypnotische und systemische Therapie zu vereinen, wobei tiefenpsychologische Ansätze nach Carl Gustav Jung, Ansätze der Transaktionsanalyse, der Ego-State-Therapie – worin Handwerkzeug der Traumatherapie mit einfloss – und nicht zuletzt religionssoziologische und religionspsychologische Erkenntnisse mit einflossen.

Aber zurück zum trauernden Klienten. Frühere Ansätze der Therapie folgten Sigmund Freuds Verständnis der Libidotheorie: „Ziehe deine Energie vom Verstorbenen ab – löse die emotionale Bindung zum Verstorbenen – durchlebe die Trauer, um dann wieder frei zu sein – schließe die Trauer und Trauerarbeit ab – nutze die zurückgewonnene Libido für neue Beziehungen und Lebensaufgaben.“[3] In meiner eigenen Erfahrung rief das bei Klienten großen Widerstand hervor. Und ich war nicht dazu bereit, es darauf beruhen zu lassen. Schon Bowlby wies darauf hin[4], dass Hinterbliebene nicht bereit sind, Verstorbene aus ihren Erinnerungen zu löschen.

Verstorbene mischen sich in neue Beziehungen ein

Immer wieder war ich in meiner Trauerbegleitung mit einem bestimmten Problem konfrontiert. War es der trauernden Person gelungen, dem Verstorbenen einen dauerhaften Platz in ihrem Leben zu geben und ging die Trauernde eine neue Beziehung ein, entstand ein triadisches System, in dem der Verstorbene weiterhin eine wichtige Rolle im System der Lebenden spielte.

Anja Bednarz fragte in ihrer Studie „Den Tod überwinden. Deuten und Handeln im Hinblick auf das Sterben eines Anderen“ Hinterbliebene, wie sie den Tod einer Beziehungsperson verarbeiteten und stellte fest, dass die Beziehung zu dem Toten „integraler Bestandteil der Identität der Nachbleibenden“ ist[5]. In der Studie kommt sie zu dem Ergebnis: „Verstorbene haben über den Tod hinaus eine bedeutsame Funktion im Leben der Hinterbliebenen – Die Verstorbenen bleiben imaginativ im Erleben und Handeln der Überlebenden präsent – Die Verstorbenen werden als bedeutsame Andere bewahrt – Die Trauernden gebrauchen Mittel, die zur Vergegenwärtigung und sozialen Integration der Toten dienen (Grab, Fotos etc.)[6]

Es ist wichtig, die eigene Biografie weiter zu erzählen

Robert Neimeyer, Professor für Psychotherapie an der Universität von Nebraska, sieht dahinter zwei menschliche Grundbedürfnisse: Das Bedürfnis nach Kontinuität der biografischen Selbsterzählung – und das Bedürfnis nach Bedeutung und Sinn der biografischen Erfahrung.  Roland Kachler kommentiert dazu, dass Trauernde aus diesen beiden Grundbedürfnissen der biografischen Selbstbetrachtung heraus eine Neukonstruktion ihres Welt- und Selbstbildes finden können. Die Identität des Hinterbliebenen hat sich verändert, es bedarf einer Konstruktion eines Gesamtbildes, in den der Partner als Verstorbener integriert werden muss. Sozusagen eine „Neuerfindung“ der eigenen Biografie.

Ich ermuntere meine Klienten, Erinnerungen aus der gemeinsamen Zeit zu erzählen, den positiven und negativen Erinnerungen einen Platz zu geben, den Verlust immer wieder neu zu durchleben um festzustellen, wie sich die Erinnerung und das Gefühl dazu verändern. Große Wirksamkeit zeigt das imaginäre Gespräch mit dem Verstorbenen und der Versuch, eine gute Beziehung zu ihm zu finden, sodass der Verstorbene als abwesende Person in die eigene Lebensgeschichte integriert werden kann. Und schließlich leite ich an, für die Zeit nach dem Verlust eine neue Lebensgeschichte zu finden.

Beim Erzählen verändert sich die Verlusterfahrung

In dieser Beziehung konstruiere ich ein therapeutisches Geflecht aus hypnosystemischer und biografischer Trauerarbeit. Erfahrungsgemäß verändert sich die Verlusterfahrung im biografischen Erzählprozess. Aber entscheidend sind die Resilienzfaktoren des Hinterbliebenen. Ich gehe stimme mit Hilarion Petzold überein, dass Resilienz (psychische und mentale Widerstandsfähigkeit) kein Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern eine „relationale Konstellation aus Person-Umweltbedingungen“[7] sind. Ich unterscheide dabei zwischen protektiven Faktoren, die den Hinterbliebenen in der konkreten Situation beschützen und Ressourcen, die er möglicherweise momentan nicht abrufen kann. Die narrative Erzählung soll brachliegende Fähigkeiten schöpfen. Auffallend ist, dass ältere Klienten überdies aufgrund gehäuft auftretender Verluste über ein spezielles Verlustmanagement verfügen.

Insgesamt scheinen Roland Kachlers hypnosystemische Ansätze und Hilarion Petzolds Instrumentarium der narrativen Erzähltherapie ein probates Mittel zur Unterstützung einer gelingenden Trauerbewältigung zu sein.

Helmut Bundschuh

[1] Roland Kachler: „Hypnosystemische Trauerbegleitung – Ein Leitfaden für die Praxis“, Carl-Auer, Heidelberg Verlag 2014, S.33

[2] Gunther Schmidt: „Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung“, Carl Auer Verlag, Heidelberg,3. Aufl. 2010

[3] Roland Kachler: „Hypnosystemische Trauerbegleitung – Ein Leitfaden für die Praxis“, Carl-Auer, Heidelberg Verlag 2014, S.36

[4] Bowlby J. „Verlust und Trauer und Depression, Fischer Verlag 1983, S. 183

[5] Anja Bednarz: Mit den Toten leben. Über Selbst-Sein und das Sterben eines Anderen, 2005. In „Familiendynamik 30(I), S. 4-22

[6] Anja Bednarz: „Den Tod überleben. Deuten und Handeln im Hinblick auf das Sterben eines Anderen“, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag, 2003, S. 191 ff

[7] Resilienz und protektive Faktoren im Alter und ihre Bedeutung für den Social Support und die Psychotherapie bei älteren Menschen, http://www.erzbistumkoeln.de/export/sites/ebkportal/seelsorge_und_glaube/krankheit_und_pflege/.content/.galleries/ethik-medizin-pflege/Vortraege_Seminarunterlagen/2009-12-01-Resilienz_und_protektive_Faktoren_im_Alter.pdf

 

Hypnosystemische Trauerberatung

Viel versprechende Hilfe für Hinterbliebene

Es passiert immer wieder, dass Trauernde beginnen, lang zurückliegende Verluste zu bearbeiten. Dabei stoßen sie auf vergessene und vermeintlich verarbeitete Verluste, die noch nicht bewältigt sind.

Früher gab es zeitweise eine relativ hohe Abbruchrate und ich fragte mich nach den Ursachen. Ich muss gestehen, dass ich mich bei massiven Trauerprozessen manchmal hilflos fühlte und es mir schwer fiel, den Klienten ein Loslassen vom Verstorbenen zu empfehlen.

Die Trauerreaktion kann wie die Schmerzreaktion als intensive Tranceerfahrung verstanden werden
Aus hypnosystemischer Sicht ist Trauerarbeit eine kreative und internale Beziehungsarbeit

Erfahrungsgemäß kamen aber jene Klienten besser mit ihrer Trauer zurecht, die neben einem emotionalen Verarbeitungsprozess auch einen religiösen und spirituellen Prozess zuließen.

Die Phasenmodelle nach John Bowlby (1970) und Verena Kast (1982) und Yorick Spiegel halfen mir auch nicht weiter[1]:

4 Phasen der Trauerbewältigung – ein veraltetes Modell?

  1. Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens
  2. Phase der aufbrechenden Emotionen
  3. Phase des Suchens und Sichtrennens
  4. Phase des neuen Selbst- und Weltbezuges

Der Psychoanalytiker Yorick Spiegel[2] steuerte das libidotheoretische Verständnis nach Freud bei:

  1. Ziehe deine Liebesenergie vom Verstorbenen ab
  2. Löse die emotionale Bindung zum Verstorbenen
  3. Durchlebe die Trauer, um dann wieder frei zu sein
  4. Schließe die Trauer ab
  5. Nutze die zurückgewonnene Libido für neue Beziehungen und Lebensaufgaben

 Loslassen geht nicht, es wird Widerstand geleistet

Als therapeutischer Trauerbegleiter stieß ich in meiner Praxis auf ungeahnte Widerstände bei den Trauernden, wenn sie loslassen sollten, aber nicht bereit dazu waren. Schon Bowlby wies darauf hin, dass die Verbindung zum Verstorbenen weiter bestehen kann und das „…ein integraler Bestandteil gesunder Trauer ist.“[3] Die Hinterbliebenen löschen den Verstorbenen nicht aus, sondern erleben eine innere Beziehung, die für die Identität des Hinterbliebenen wesentlich sein kann. In der deutschen Trauerforschung wurde dieser Ansatz bis in jüngste Zeit ignoriert und nicht weiter verfolgt.

„Der Tod und die bleibende Abwesenheit entziehen den geliebten Menschen als äußeres Bindungsobjekt, auf das sich die Bindungsenergien beziehen (vgl. Otto Kernberg: Vorträge zu Narzissmus und Objektbeziehung 1981).Das vertraute… Gegenüber ist nicht mehr da, um über wiederholte Beziehungserfahrungen die Bindung immer wieder zu erneuern und zu stärken. Diese erschütternde Erfahrung im Verlust wird den Trauernden … am Beginn des Trauerprozesses auf das Bindungserleben zurück…“ bevor die Bindung bestand. Der Trauernde erlebt wie das Kind, dessen Mutter zeitweise abwesend ist, die Verzweiflung des Verlassensein. Wie für das Kind ist für den Trauernden die Abwesenheit des geliebten Menschen eine existenzielle Bedrohung.“[4]

2 Grundbedürfnisse, die den Sinn des Lebens ausmachen

Roland Kachler spricht von zwei Grundbedürfnissen, die aber ausgeschaltet sind:

  • Das Bedürfnis nach Kontinuität der biografischen Selbsterzählung
  • Das Bedürfnis nach Bedeutung und Sinn der biografischen Erfahrungen.[5]

Roland Kachler entwickelte nun einen neuen „hypnosystemischer“ Ansatz in der Trauerbegleitung und integriert dabei Robert Neimeyers kognitiv-konstruktivistischen, narrativen Ansatz in der Trauerbegleitung. Der systemische Ansatz in der Trauerbegleitung arbeitet mit dem Beziehungssystem, das der Verstorbene und der Trauernde bilden. Aus hypnosystemischer Sicht geht es „um die Neukonstruktion einer inneren Beziehung des Trauernden zum Verstorbenen unter der schmerzlichen Bedingung der Abwesenheit…“.[6]

Helmut Bundschuh

[1] Verena Kast, Trauern – Phasen und Chancen des psychischen Prozesses, S. 78 ff

[2] Yorick Spiegel, Der Prozess des Trauerns, S. 21 ff, S. 44 ff

[3] John Bowlby, Verlust, Trauer und Depression, S. 183

[4] Roland Kachler, Hypnosystemische Trauerbegleitung, S.132

[5] Ebenda, S. 47

[6] Ebenda, S. 51

Phasen der Trauerbewältigung

Trauer ist keine Krankheit

  1. Phase des Schocks, des Nicht-Wahrhaben-Wollens und der Verleugnung
    In der ersten Phase der Trauer wollen wir nicht wahrhaben, dass uns der Partner oder Freund für immer verlassen hat. Wir bewegen uns wie in Trance, fühlen uns wie in Watte gebettet und nehmen unsere Umwelt wie durch eine Glasscheibe wahr. Es sind die Symptome eines Schockzustandes. Der Trauernde streitet ab, dass der Partner verstorben ist oder dass er/sie von einer tödlichen Krankheit bedroht ist. Dieser Zustand tritt häufig bei schwerer Herzerkrankung oder Krebs auf. Der Therapeut gibt dem Trauernden Raum zur Trauer, verhält sich empathisch und vermittelt das Gefühl des Schutzes.
  2. Phase der der Kontrolle und der aufbrechenden Gefühle
    Die Schockphase dauert in der Regel einige Stunden. Dann folgt die Phase intensiver Emotionen. Alle Gefühle können auftreten: Niedergeschlagenheit, Angst, Wut oder Neid. Eine meiner Klientinnen hatte ihr Kind verloren und empfand Neid allen anderen gegenüber, die Kinder hatten. Eine Klientin aus der Paartherapie sagte, dass sie nach ihrer ersten Scheidung Wut gegen jeden spürte. Hilflos fühlte sich ein Kollege, nachdem er seine Partnerin bei einem Verkehrsunfall verloren hatte. Wichtig ist, dass Niedergeschlagenheit nicht in dauerhafte Depression mündet.

Auswirkungen der Gefühlsschwankungen

Wir leiden unter Gefühlsschwankungen, gelegentlich unter Kontrollverlusten. Manche schlingen wahllos Essen in sich hinein, andere essen gar nichts mehr.

In der zweiten Phase der Trauer werden verschiedene Emotionen sehr intensiv erlebt. Nicht nur Niedergeschlagenheit und Angst können eine Rolle spielen, auch Wut kann auftreten. Die Wut kann sich in diesem Abschnitt der 5 Stufen gegen alle richten, die nicht betroffen sind. Bei Scheidungen kann das etwa bedeuten, dass der Betroffene Neid gegen (aus seiner Sicht) glückliche Paare empfindet.

3. Phase der langsamen Neuorientierung
So langsam beginnen wir wieder, uns nach außen zu orientieren. Wir können uns zeitweise wieder konzentrieren, auch mal an etwas erfreuen. Trauer und Hadern lassen langsam nach und sind nicht mehr so intensiv. Jedoch haben wir noch starke Stimmungsschwankungen. Unser Körper gelangt langsam wieder zu seinem normalen Rhythmus.

Neues Gleichgewicht finden

4. Phase des neuen Gleichgewichts
Wir sind zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt. Es erfüllt uns bisweilen immer noch mit Wehmut, an die Vergangenheit zu denken, doch wir sehen vertrauensvoll in die Zukunft. Wir werden den verstorbenen Menschen nie ersetzen und vergessen können, aber lenken unseren Blick auf das, was wir jetzt im Leben noch haben können. Wir haben uns eine neue Lebensaufgabe gesucht und uns neue Fähigkeiten zugelegt, die Alltagsaufgaben zu bewältigen.

Helmut Bundschuh