Depression im Alter

Ein Beitrag von Helmut Bundschuh

Wussten Sie, dass die meisten Depressionen im Alter ab 65 Jahre auftreten? Sie sind besonders schwer zu erkennen, denn im Gegensatz zu Depressionen bei jüngeren Menschen stehen im Alter oft psychosomatische oder rein körperliche und unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm Probleme oder Schwindelanfälle im Vordergrund.

Die eigentlichen Symptome der Depression, Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit oder das Gefühl nichts mehr wert zu sein treten in den Hintergrund und werden nicht erkannt. Familienangehörige halten diese Anzeichen der Depression für normale Alterserscheinungen.

Woher kommen ausgerechnet im Alter diese Beschwerden. Depression im Alter ist häufig eine Reaktion auf Verluste, die mit dem Alter zu tun haben.

○             Die Zunahme körperlicher Beschwerden wie Herz-Kreislauf Probleme, rheumatische Beschwerden und Arthrose erzeugen großen Leidensdruck und führen zu Schlafstörungen.

○             Berentung kann bedeuten, den sozialen Status zu verlieren. Viele Rentner erleben das als Verlust des Selbstwertgefühls. Sie meinen, keinen Einfluss darauf zu haben und halten sich für nicht mehr „Selbstwirksam“. Das kann die Keimzelle der Depression sein.

○             Auch auf den Verlust des Partners durch Tod hat man keinen Einfluss. Er muss hingenommen werden. Sind durch die Berentung soziale Kontakte verloren gegangen, gibt es kein Auffangbecken mehr. Es kommt zur Vereinsamung.

○             Einsamkeit ist eines der größten Probleme beim Älterwerden. Die Betroffenen kommen ins Grübeln, halten sich für wertlos, leiden unter Freudlosigkeit, verlieren die „Lust“ zu Leben und denken immer öfter den Tod nach.

○             Mangelnde Bestätigung und der Wegfall von Anerkennung, Attribute, die man sich im Beruf „erarbeitete“ und das Familiensystem zusammen hielten, fallen jetzt weg.

○             Dazu kommen das Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit und die Einschränkung des Kurzzeitgedächtnisses. Was bleibt, sind die Erinnerungen des eigenen Lebens. Alte Menschen beschreiben das als „Verlassenheitsgefühl im Raum der eigenen Vergangenheit“.

Den meisten Menschen fehlen angemessene Bewältigungsstrategien für Veränderungen und Einschränkungen, die mit dem Alter zu tun haben. Wann hätte man sie auch lernen sollen? Deshalb fühlen sich viele als Opfer, fallen in Selbstmitleid und verlieren die Initiative, um Veränderungen zu schaffen. Der Wegfall der Kontrolle über das eigene Leben führt zu Ängsten: Die Angst zu verarmen, Sorgen um den Erhalt der Gesundheit und ein Pflegefall zu werden, die Befürchtung, auf andere angewiesen zu sein und dass keiner für einen da sein wird.

In meiner Praxis für Psychotherapie im Heilzentrum Bogenhausen habe ich mich neben Herzerkrankungen auf Depressionen im Alter konzentriert und schlage meinen Klient/innen ein umfangreiches soziales Programm vor, bevor es in die spezifische Therapie der Depression geht. Die Pflege und der Aufbau neuer sozialer Beziehungen mit unterschiedlichem Profil steht im Vordergrund. Je nach Hobbies und Interessen gibt es Kontakte zu Initiativen und Gruppen, die zu regelmäßigen Treffen einladen. Ähnlich wie bei meiner Herz-Nachsorge-Gruppe schlage ich regelmäßige sportliche Betätigung vor. Auch hier bieten verschiedene Gruppen Walken, Schwimmen oder Radfahren an.

Bei psychotherapeutische Betreuung älterer Menschen schlage ich in einigen Fällen vor, die Angehörigen hinzu zu ziehen.